Letzte Bearbeitung 18.03.2007
Kindheit und Jugend
| Ben war ein Nachkriegskind er wurde als der Sohn eines
Maschinenbau Ingenieurs und einer Friseurin geboren. Kurz nach der Geburt starb
seine Mutter. Sein Vater lebte mit der Tochter seiner Mutter zusammen. Diese
beiden konnten sich nicht leiden. Monika, Bens Halbschwester kümmerte die Bücher, alle in Schutzpapier eingepackt und sauber
beschriftet, warteten auf ihren Einsatz.
Schulanfang war damals
immer sonnabends. Ben konnte die Nacht vor Aufregung nicht schlafen. Am Morgen
bekam er seine neue Festkleidung. Ein Anzug in grünem Schottenkaro, ein Traum,
allerdings mit kurzen Hosen. So kam die bittere Pille gleich nach. Ben musste
über das Unterhemd ein „Leibchen“ ziehen. An diesem waren Strumpfhalter
angebracht. Daran wurden braune gestrickte Wollstrümpfe sich um
das Baby Ben. Sie gab sich zwar alle Mühe aber sie war ja selbst noch ein Kind
und so kam es immer wieder zum Streit.
Streit mit dem Stiefvater und ein karges Leben war Alltag.
In dieser rauhen Wirklichkeit war das Baby nur ein Störfaktor. So kam Ben in ein
Kinderheim. Die wichtigste Zeit der Kindheit wurde ihm genommen. Da wo er die
Eltern dringend brauchte, in den prägenden Jahren des Lebens, hatte er keine Eltern. Es
schien als werde er als eine Art Sache in einem Kinderhebefestigt. Das Schlimme
daran war das dieses Leibchen selbst gestrickt war und aus einer kratzigen mehrfach
verwendeten rosa Schafwolle war. Schrecklich für Ben. Er zog sich widerwillig
an und harrte der Dinge. Dann ging er mit seinem Vater in die Schule. Ben war
schon oft mit dem Fahrrad an der Schule vorbei gefahren. Dabei hatte er immer
gerätselt was darin vor sich ging. Nun war er privilegiert in die Schule
einzutreten.
Er genoss diesen
Moment sichtlich. Die Kinder wurden mit ihren Eltern in die Aula gebeten.
Da fand ein so
genannter Festakt statt. Dann wurden die Lehrerinnen vorgestellt. Ein von ihnen
war eine hübsche junge Frau mit halblangen braunen Haaren und einem hübschen
Gesicht. Ben hoffte, dass sie seine Lehrerin sein würde. Aber nein, daraus
wurde nichts. Eine ältere Dame mit einem streng gebundenen Zopf nahm ihn in
Empfang, Frau Schmidt. Die Lehrerinnen führten ihre Klassen in die
Klassenräume. Jeder hatte seinen Platz gefunden. Nun erz&aim aufbewahrt. Sein
ganzes späteres Leben sah er oft im Traum die blaue Notlampe des Kinderheimes.
Dieses kalte Licht erzeugte bei ihm als Kind Angstgefühle. Er kann sich noch heute
an die Spiele im Sandkasten aus dieser Zeit, erinnern. Geborgenheit und Liebe
fehlte an dieser Stelle völlig. Das Personal des Kinderheimes baute, sicher mit
gutem Grund, keine persönliche Beziehung zu den Kindern auf. So war Ben froh
wenn er Besuch von Monika oder auch seinem Vater bekam. Er wollte immuml;hlte Frau Schmidt,
dass sie die nächsten Wochen gemeinsam die Buchstaben sowie das Lesen und
Schreiben lernen wollen. Für Ben nichts Neues. Nun wurden die ABC- Schützen in
die Pionierorganisation aufgenommen. Sie bekamen eine kleine Urkunde und ein
blaues Halstuch. Dann lernten sie als erstes wie man ein Halstuch bindet. Und
schon war die erste Stunde vorbei. Dieser sollten zehn Jahre ohne nennenswerte
Ereignisse folgen. Eine DDR- typische Schulgeschichte begann. Einiges aus der
Schule blieb Ben doch in Erinnerung. Er hatte sich von der ersten Klasse weg
zum Schulchor gemeldet. Das machte ihm sehr viel Spaß. Das schönste daran waren
die Ausfahrten, zu Auftritten und einmal im Jahr ins Chorlager. Ben war hier
bis zu seinem Stimmbruch. Danach war er seine Stimme so im Bass, dass er ohne
eine Stimmausbildung nicht mehr singen konnte. Außerhalb der Schule war da
immer viel los. Ben ging gern ins Kino. Am Sonnabend musste er seine
Schulsachen in Ordnung bringen und seinem Vater vorlegen. Wenn alles in Ordnung
war bekam er fünf Mark Taschengeld. Und das war ein Schatz. Für fünf Mark konnte man einwundervolles Wochenende verleben. 30 Pfennige kostete der Kino Eintritt, 35 Pfennige eine Wurstsemmel, 18 Pfennige eine Fassbrause und 80 Pfennig eine Bockwurst. Ben hatte die Preise im Kopf und wusste genau was er sich leisten wollte. Seine Bande hatte sich nun weiterentwickelt. Als Statussymbol war ein so genanntes Kofferradio gefragt. Diese machten er mit raus „nach Hause“. Er konnte sich darunter zwar nichts vorstellen, hatte aber das Gefühl es könnte nur besser sein als im Heim. Im Frühjahr des Jahres in dem er eingeschult wurde, holte ihn sein Vater aus dem Heim. Er hatte in der Zwischenzeit eine Frau kennen gelernt und geheiratet. Ben musste sich an die neuen Verhältnisse gewöhnen. Da die Wohnung nicht sehr groß war wurde für Ben die Bodenkammer eingerichtet. Das gefiel ihm sehr da er in seinem ihren Namen alle Ehre. Groß und schwer wie Koffer. Man machte neue Batterien rein und nach einer oder Zwei Stunden waren sie leer. Das Radio quäkte und verstummte mit der Zeit. Dies ging nun sehr ins Geld. Mit dem Kofferradio zeigte man sich vor dem Kino. Ben hatte noch kein eigenes Kofferradio. Das war nicht so gut für seinen Status als Bandenchef. Er war gezwungen, sich etwas einfallen zu lassen. Er wusste, dass so genannte Sekundärrohstoffe vom Staat zurückgekauft wurden. So bekam man für Flaschen und Gläser jeweils fünf Pfennige. Lukrativ waren auch Papier und Bücher zu sammeln. Dafür gab es 20 Pfennig pro Kg. Ben war schon oft in der Schule für das Altstofflager verantwortlich gewesen und kannte sich aus. Nun organisierte Ben eine regelrechte Sammelaktion. Das hatte er in der Schule schon oft für die Pioniere gemacht und nichts dafür bekommen. Nun machte er das gleiche zum Privatnutzen. Die Bande hatte sich einen Handwagen organisiert und nun fuhren sie Tag für Tag nach der Schule im Viertel herum und sammelten. Das Geld teilten sie peinlich genau. Ben hatte dafür ein Vokabelheft angelegt und alles aufgeschrieben. Neben dem was sie in die „Sero“ brachten fanden sich auch wertvolle alte antiquarische Bücher. An einen Tag erinnerte sich Ben besonders. Sie kamen in einen Textilbetrieb. Im Hausflur stand alles voller Säcke mit weißen Stoffabfällen. Die Jungs durften sich die Säcke nehmen weiZimmer relativ selbstständig war. So konnte er tagsüber aus und eingehen wie er wollte. Man nannte das Schlüsselkind, da er den Schlüssel zu seiner Bodenkammer hatte. Nicht zur Wohnung, denn so viel Vertrauen schenkte man ihm nicht. Er lernte sehr schnell die Jungs auf der Straße kennen. Da Ben sehr intelligent war wurde er der Bandenchef. Darum musste er nicht kämpfen. Die anderen Jungs merkten, dass er immer spannende Ideen hatte. Daher wurde er ohne weiteres als Chef l sie im Wege standen. Sie luden so viel wie ging auf ihren Handwagen und fuhren in die nahe liegende Annahmestelle. Sie waren erstaunt als die Frau meinte das ist „Neuweiß“ und 13 Mark pro Sack auszahlte. Es waren über 20 Säcke und sie mussten fünf Mal fahren. Sie rannten hin und her, ständig in Angst, dass sich ihr Schatz nicht in Luft auflöst. Nun konnte sich Ben ein gebrauchtes Kofferradio von Typ Stern kaufen. Er war überglücklich. Leider brachte man Ben zu Hause kein solches Verständnis entgegen. So musste er seine neue Errungenschaft peinlich verstecken. So schaute er immer, dass er unbeobachtet an der Wohnungstür zu seiner Bodenkammer vorbei kam. So lernte Ben schon sehr früh, dass sich Leistung lohnt. Bei den Büchern die sie gesammelt hatten, waren auch einige sehr seltene und alte Exemplare dabei. Diese konnten sie zwar weit unter Wert aber für sie dennoch gewinnbringend verkaufen. So bekam die Leißnerstraßen- Bande einen ganz erklecklichen Betrag an Geld zustande. Sie kamen auf die Idee, sich ein Moped zu kaufen. Dieses Moped ein SR1 sah aus wie ein Fahrrad und es fuhr auch so. So kam kein Verdacht auf. Sie konnten also wagen mit diesem Fahrzeug auf der Straße am Friedhof zu fahren. Dort wohnten sehr wenig Laute und von Bens Wohnung konnten sie auch nicht gesehen werden. Das Moped fahren war ein Heidenspaß. Sie fuhren im Pedalbetrieb los bis außer Sichtweite waren und hier ging es los. Der Reihe nach konnten sie mit dem Benzinmotor fahren. Tanken war auch kein Problem, sie hatten ja Geld. Immer wenn das Geld zur Neige ging wurden die Sammelaktivitäten wieder aufgenommen. In regelmäßigen Abständen wurde auch Neuweiß abgefahren. So ging das die ganzen Jahre. Ben erinnerte sich auch daran, wie er verschiedene technische Geräte auf den Sammeltouren geschenkt bekam. Plattenspieler und Radios. Von den verschiedenen Volksempfängern bis zu Nord anerkannt. Seine Bande war nicht auf Missetaten aus, sie waren eher am Bauen und spannenden Abenteuern interessiert. Für Ben eine schöne aufregende Zeit. Überall waren Ruinen aus dem zweiten Weltkrieg. Daher gab es Baumaterial in Hülle und Fülle für die Jungs. Zuerst bauten sie gemeinsam ein Bandenhaus. Sie schlichteten Ziegel übereinander und verbauten Holzbalken als Fensterstürze. Mit Holzbalken und Blechen wurde das Dach gebaut. Teilweise hatten sie sogarMende Super UKW Empfänger. Er brachte diese Dinge nach Hause und wenn ihn seine Mutter erwischte musste er sie wieder wegbringen. Von den Pionieren aus sollten sie alten Menschen bei der Hausarbeit und beim Einkauf helfen. Nach dem Buch „Timor und sein Trupp“ von Arkadi Gaidar nannten sie sich Timorhelfer. Ben bekam eine blinde alte Dame zugeteilt. Er ging dann zwei bis dreimal die Woche für die Frau einkaufen oder führte sie spazieren. Ben fand auch das interessant. 1968 war ein Pfingsttreffen der FDJ in Berlin geplant. In der Vorbereitung hatten sich die verpflichtet die Westantennen vom Dach zu montieren. Die Timorhelfer sollten dann die Straßen sperren so, dass keine Unfälle passierten. Ben kannte sich noch nicht mit Politik aus und war der Meinung das wäre schon Ok. In ihm erwachte schon damals der Geschäftsmann. Er brachte einen Handwagen mit und lud sich die Aluminiumteile auf er wusste das diese beim Schrotthändler gut bezahlt wurden. So kam Ben ganz gut mit seinem Geld aus. Später durften die jugendlichen in den Großen Ferien in den Betrieben Ferienarbeit machen. Im ersten Jahr war Ben 14 Jahre alt und er arbeitete in einer Geschäftsbücherdruckerei in seiner Straße. In den gleichen Ferien hatte er sich noch bei seinem zukünftigen Ausbildungsbetrieb eine LPG in der Nähe von Plauen beworben. Die Ferien dauerten insgesamt acht Wochen. Davon durften maximal 4 Wochen gearbeitet werden. Während einer Ferienarbeit in der LPG wurde Ben in die Werkstatt geschickt. Diese lag etwas außerhalb des Ortes. Als Ben aus dem Ort kam hörte er schon unerträglichen Motorenlärm. Es war im Sommer 1968 und die Russen marschierten in die CSSR ein. Ben sah eine nicht endende Fahrzeugkolonne. Mannschaftswagen wechselten sich mit Panzern und Transportfahrzeugen ab. Ben stand einige Minuten in dem Abgasmief und staunte. Er hatte sich zu dieser Zeit noch nicht viel mit Politik beschäftig intakte Fenster in den Ruinen gefunden. Sie spielten mit echtem Baumaterial mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie die heutigen Kinder mit Lego. Gegenüber dem Haus in dem Ben wohnte, war ein vom Krieg zerstörtes Haus als riesiger Trümmerberg in sich zusammengerutscht. Oben auf dem Berg war ein Plateau und dort bauten sie ihr Haus. In der Rinne des ehemaligen Treppenhauses hatte sich eine Rampe gebildet und das war die ideale Rodelbahn. Kellergwölbe und Versteckecken t. So konnte er nicht begreifen was hier vorging und das machte ihm Angst. Am Abend sah er in der aktuellen Kamera die Meldungen über Konterrevolution und das die Sowjetsoldaten die Freiheit des Sozialismus verteidigen würde. So rückte der so genannte Ernst des Lebens mit dem Ende der Kindheit unaufhaltsam näher. Am Ende seiner Ferienarbeit kaufte er sich von dem verdienten Geld schöne Anziehsachen. Hemd, Hose, Jacke aus Rundstrick, einen Anzug aus Kunstfasern und was so noch dazu gehörte. Er war sehr stolz darauf. Zum ersten Mal konnte er seinen eigenen Geschmack tragen und jeder sprach Ben lobend darauf an. Lehrzeit Im Jahr darauf war Ben mit der Schule fertig. Er hatte seine letzten Ferien. Doch er entschied sich auch wieder für Ferienarbeit in der LPG wo er seine Lehre beginnen würde. So begann seine Arbeit eines Tages in der Frühe. Ben war am Sonntag mit dem Bus auf das Dorf gefahren. Er durfte als Ferienarbeiter in dem Lehrlingswohnheim wohnen. So war er um Fünf Uhr in der Frühe aufgestanden. Er ging Frühstücken und schmierte sich Schnitten zum mitnehmen. Dann ging er auf den Hof zur Arbeitseinteilung. Die Prozedur war ihm noch aus den Vorjahren bekannt. Der Feldbaubrigadier Horst erkannte Ben wieder und begrüßte ihn herzlich. Er meinte: „Ben du gehst mit runter zum Kuhstall zum Stroh abladen. Melde dich bei Herrn Maul.“ Ben bog um die Ecke hinter dem Verwaltungsgebäude und sah bereits den Kuhstall. Neben dem Tor hatten es sich einige Arbeiter auf Strohbündeln bequem gemacht. Er sah bereits den Herrn Maul sitzen. Auch die Männer erkannten Ben noch vom Vorjahr wieder. So gab es keine großen Worte und Ben wusste was er zu tun hatte. Die riesengroßen Anhänger mit dem Stroh wurden neben ein Gebläse gezogen und abgekippt. Dann musste man mit einer Mistgabel die Bündel in das Gebläse werfenboten unendliche Spielmöglichkeiten. So war Ben mit seinem neuen Leben soweit zufrieden und er taute auf. Er vergaß das Kinderheim. Ein großer Nachteil war, der Platz war von Bens Wohnung sehr gut einsehbar und so wurde er öfters von seinem Vater gerufen. Wenn er einkaufen oder etwas besorgen sollte, war er immer dran. Ben fand das einkaufen als solches sehr interessant denn viele Dinge wurden damals beim Kaufmann noch lose abgegeben. Das war gut um auch mal zu kosten. Beim Fle. Die Strohbündel wurden mit dem Gebläse auf den Boden befördert. Dort wurden sie dann gestapelt um jede Ecke auszufüllen.Ben sicherte sich den Platz neben dem Gebläse. Das war zwar schwere Arbeit aber dafür im Freien. Ben mochte an diesem warmen Morgen nicht auf den stickigen Heuboden. So verging der Vormittag. Die Bauern wollten natürlich alles von Ben wissen. Diese Eigenart kannte er aber schon. So verstanden sie sich ganz gut. Ben war fleißig und machte sich nützlich so war er sehr schnell beliebt. Ab und zu wurde Ben auch einkaufen geschickt. Dabei gab er sich Mühe nichts zu verwechseln und war sehr flink. Die zwei Wochen vergingen. Ben hatte dann noch zwei Wochen Ferien und mit seinem verdienten Geld wollte er dann Ausflüge in seiner Gegend machen. So hatte er vor mit der Kleinbahn von Plauen Chrieschwitz nach Treuen zu fahren. Diese Bahn war vor der Stilllegung und ein Großonkel von Ben hatte vor mit Ben die letzte Fahrt der „Bagdad Bahn“ mitzumachen, wie sie im Volksmund genannt wurde. Ein schmucker kleiner Zug stand dampfend im Bahnhof. Es war kein durchgehender Gang in den Waggons vorhanden. Jedes Abteil war separat von außen zugängig. Es gab die Holzklasse und die Polsterklasse. Ben und Onkel Arno hatten sich zu Ehren der letzten Fahrt für die Polsterklasse entschieden. Heute ist Dampffahrt etwas außergewöhnliches damals war eher alles andere die Ausnahme. Sie fuhren gemächlich los, frei nach dem Motto „Blumenpflücken während der Fahrt verboten.“ In beschaulicher Fahrt kamen sie Treuen an. Sie hatten bis zur Rückfahrt über vier Stunden Zeit. Diese nutzten sie um einen Zoobesuch zu machen. Ben interessierte sich sehr für seine Heimat. Es gab auch viele Ausflugsziele wie Talsperren und Freiluftmuseen. So gab es viel zu sehen und die Ferien waren schneller vorbei als Ben lieb war. Ben begann sich für das andere Geschlecht zu interessieren. Er hatte bei seiner ischer bekam Ben immer ein Würstchen. Die Erfahrungen vom Einkaufen brachten Ben darauf, beim Bäcker nach Kuchenabschnitten zu fragen. Diese erhielten sie geschenkt. Wenn Ben mit einer Riesentüte ankam waren alle begeistert. Eines Tages brachte sein Vater ihm ein Fahrrad mit. Ein altes klappriges Teil mit einen geschwungenen Lenker und einen mit riesigen Spiralfedern ausgerüsteter Sattel waren noch das Beste an der Ausstattung. Der schlimmste Mangel war das defekte Tretlager. Ferienarbeit ein Mädchen kennen gelernt. Silvia war ein liebes Bauernmädchen. Ben hatte Silvia vorgeschlagen, dass sie einmal gemeinsam zu Tanz gehen könnten. Doch Silvia himmelte ihn immer mit ihren blauen Augen an und sagte…nein. Eines Tages hatte er sich mit ihr und den anderen Jugendlichen im Schlosspark verabredet. Dort war eine kleine Wiese wo ein wollweiches Gras wuchs. Sie saßen öfters dort und erzählten lachten und tranken auch mal ein Bier. Ben lag auf der Wiese. Auf seinem Oberschenkel ruhte der Kopf von Silvia. Ben streichelte ihr Haar was sie offensichtlich sehr genoss. Sie unterhielten sich über die neuesten Dorfnachrichten. Dabei hatten sie viel Spaß. Als die Sonne unterging war alles in ein wunderschönes rotes Licht getaucht. Ben sah den goldenen Schimmer in den Augen von Silvia. Es war märchenhaft. Er fühlte sich durch eine unsichtbare Macht zu Silvia hingezogen.Ja es wurde ihm sehr eigenartig zumute. Er mochte Silvia umarmen und drücken. Anscheinend erging es ihr ebenso. So näherten sie sich zärtlich und Ben nahm sie in die Arme und drückte sie an sich. Lange Zeit saßen sie so da und genossen gegenseitig ihre Anwesenheit. Ben war das erste Mal richtig verliebt. Immer wenn er an Silvia dachte beschlich ihn ein Gefühl der Freude. Er hatte regelrecht Sehnsucht nach dem Mädchen.Doch er kam mit ihr nicht weiter als etwas schmusen und küssen. Alles andere wehrte sie energisch ab. BenWenn eine Steigung kam knackte das Tretlager und die Kette fiel öfters herunter. Ben hatte einen Jungen im Team der sehr gutes Werkzeug hatte. Das war damals ein unbezahlbarer Schatz. So zogen sie mit dem Fahrrad und dem Werkzeug auf ihren Platz. Dort wurde das Fahrrad auseinander genommen und geölt. Wie in einem Fahrerlager, lagen die ganzen Teile zerlegt auf einem Putzlappen. Kleinteile wie Kugellager Schreuben und dergleichen, waren sehr billig. Und der Fehler mit dem Tretlager konnte au wusste nicht an was das lag. Er konnte auch mit niemand darüber reden. So ging der August zu Ende. Am ersten September begann offiziell die Lehrzeit.Ben war froh, dass ein neuer Abschnitt, begann und das ihm nicht alles fremd und neu war.So konnte er von seinem Zimmer im Wohnheim die Ankunft der anderen Lehrlinge des neuen Lehrjahres beobachten. Er bemerkte auch das einige sehr hübsche Mädchen dabei waren.Nachdem alle ihre Zimmer bezogen hatten wurde eine Versammlung im Aufenthaltsraum einberufen. Hier stellten sich alle Reihum vor. Ihnen wurden die Lehrmeister und der Heimleiter vorgestellt. Am nächsten Tag wurden alle zur Arbeit eingeteilt. Ben wurde jetzt von seinem Lehrmeister eingeteilt. Das war ein freundlicher Mann mit einer rundlichen Figur.Ben kannte sich schon aus mit der Arbeit und wie das alles lang lief. Jetzt war die Erntezeit in vollem Gang und es wurde den ganzen Tag gearbeitet. So blieb Ben auch nicht viel Zeit sich um Silvia zu kümmern. Ihr Verhältnis kühlte sich merklich ab. Ben wurde zur Fahrschule angemeldet. Es gab die GST, die Gesellschaft für Sport und Technik. So hatte Ben auch zusätzliche Termine wahrzunehmen. Traktor fahren konnte man auf dem Feld auch schon ohne Führerschein. Nach der bestandenen Fahrprüfung erhielt man bis zum 18. Lebensjahr die Erlaubnis auf Traktoren beschränkt und ab 18 dann auch für LKW. Die ersten Arbeiten waren im Herbst die Wiesen glatt mähen. So erhielt Ben einen RS 09 einen kleinen Schlepper mit Mähbalken und musste einige Wochen lang die Weiden bearbeiten. Für Ben eine schöne Arbeit. Bedingungslose Liebe Ben war nun Traktorist bei einer LPG im Vogtland. Eines
Tages war er auf einer Wiese, idyllisch inmitten von kleinen Wäldchen gelegen,
mit dem Kunstdüngerstreuen beschäftigt. Die Arbeit nahm seine ganze
Aufmerksamkeit gefangen. Genau musste ch
durch ein neues Kugellager behoben werden. Sie bauten alles wieder zusammen.
Der Sattel wurde auf die niedrigste Höhe eingestellt so, dass Ben gerade
auf die Pedale kam. Eine Querstange erforderte viel Geschick beim auf und
absteigen. Er hatte sich eine bewundernswerte Technik zum Anhalten angeeignet.
Er trat den Rücktritt und zog die Handbremse und sprang gleichzeitig vom Rad. Da plötzlich sah er das Mädchen. In einem weinroten Bikini
von der Sonne angestrahlt wie in einer Aura aus Gold. Sie saß an einem Hügel
neben der Wiese und beobachtet ihn. Er konnte die Flaumhaare auf ihrem Körper
sehen, eine Haut wie Samt, gegen das Sonnenlicht. Er stellte, wie automatisch,
den Traktor ab, stieg herunter und ging langsam auf sie zu. Nun erkannte er
sie, sie hatten sich schon öfters gesehen in einem Kuhstall ganz in der Nähe.
Dorthin hatte er öfters Grünfutter geliefert. Immer wenn er sie sah, bemerkte
er, dass sie ihn mit Interesse und Aufmerksamkeit betrachtete und ihre
Sternenaugen schienen schelmisch und neugierig zu blitzen. So sah er sie auch
jetzt. Er ging auf sie zu. Kati, der Namen fiel ihm ein, Kati hatte den Kopf
leicht angehoben in seine Richtung. Er sah ihre Augen. wasserblau und weit
offen, herausfordernd. Sie schaute ihn erwartungsvoll an, den Mund leicht
geöffnet. Wie in Trance nahm er ihren Kopf zwischen die Hände und küsste sie.
Ohne ein Wort schmusten und küssten sie sich. Lange, unendlich lange standen
Sie Mund auf Mund gepresst. Sie wurden von einem Gefühl von Zärtlichkeit und Wärme
gefangen. Sie fühlten sich automatisch zueinander gezogen und waren plötzlich
splitternackt. Sie standen da in tiefer Umarmung, im Einssein im Taumel der
Gefühle. Heftig und zugleich voller Angst, der Traum könnte unvermittelt enden,
liebten sie sich. Tief, heftig und inniglich kamen beide gleichzeitig zum
Höhepunkt. Es war berauschend. Unaussprechlich schön. Sie machte sich Luft
durch lautes Schreien. Dann Stille, man konnte die Vögel und die Fliegen, die
Geräusche er große Junge, er hieß Rainer, hielt das Fahrrad am Gepäckträger im
Gleichgewicht. So ging es unter lautem Geschrei die Straße auf und ab. Die anderen
Kinder rannten mit es war eine lustige Hatz. Hin und her, hin und her. Mit einem Mal,
bemerkte Ben, das er völlig allein fuhr. Rainer und die anderen Kinder waren
schon ganz weit zurück.
An dieser Stelle wurde das ungewöhnliche Bremsmanöver geboren. Gleichzeitig war
Ben so fit, das niemand mehr das Gleichginer Sommerwiese hören. Die jungen Menschen, Ben war 17 und Kati 16,
hielten sich noch lange im Arm, zärtlich ohne Worte. Das Erlebte bebte noch
immer in ihnen langsam abklingend, den Atem beruhigend, aber einem schönem
Gefühl der Befriedigung Platz bereitend.
Kein Wort störte die Zweisamkeit, zwei Herzen schlugen im gleichen Takt. Sie
lauschten den Geräuschen der Natur und fühlten sich mit der Natur eins.
Still löste sich Kati aus seiner Umarmung, suchte ihren
Bikini zusammen und zog ihn an. Noch bevor er begriff, kam sie auf ihn zu und
küsste ihn sanft und liebevoll. Er sah sie fragend an wollte etwas sagen, sie
legte ihm zwei Finger auf den Mund. Schnell drehte sie sich um und ging rasch
davon. Er sah, wie sie Ihr Fahrrad aus der Hecke zog, sie aufstieg und stolz
davon radelte. Sie drehte sich noch mehrmals nach ihm um und sah wie er noch
immer nackt, seine Bekleidung sammelte und sich anzog. Nach kurzer Zeit zog der
Traktor wieder seine Runden, sein kraftvolles gleichmäßiges brummen ließ Ben
Zeit dem eben Erlebten noch einmal nachzuträumen.
Zwei Tage später wurde Ben der Auftrag erteilt Grünfutter zu
fahren und welche Freude, in den Stall wo Kati tätig war. Kurze Zeit später
fuhr er auf den Wirtschaftshof. Er hielt nach Kati Ausschau. Er sah sie
auf dem Hof stehen so als hätte sie auf
ihn gewartet. In ihrer Arbeitskleidung und mit Gummistiefeln stand sie da. Ihr
freundliches Gesicht, ihre leuchtenden Augen. Als sie Ben sah, war es, als wenn
aus ihren Augen Funken sprühten. Sein Herz hüpfte, schnelle kräftige Sprünge,
Freudensprünge. Im nu war es wieder da zwischen ihnen, dieses gespannte,
kribbelige und vertraute Gefühl. Sie zeigte ihm wo er das Futter abkippen
sollte. Dann stellte er den Traktor ab und ging zu ihr. Sie fielen sich in die
Arme und küssten sich. Sie zog ihn mit sich, wieder völlig ohne Worte folgte er
ihr, am Arm gezogen. Sie stiegen miewicht halten musste. Nun schnappten
sich alle ihre Räder und fuhren gemeinsam los.
Zuerst fuhren sie Stadtauswärts rund um die Stadt herum. Systematisch wurde der Umkreis erweitert. Eine Affäre mit Ines Ben hatte bis zum Ende der Lehrzeit im Lehrlingswohnheim gelebt. Zwar musste er Abstriche machen jedoch war es vom Effekt der Sparsamkeit sehr Vorteilhaft. Im Stall hatte er einen Mann kennen gelernt, den Erich. Das schien ein wahrer Lebenskünstler zu sein. Ben war vom Erich begeistert. Er kam aus der Nähe von Chemnitz und Ben hatte Anfangs Mühe Erichs Sprache zu verstehen. Nach der Arbeit verabredeten sich die beiden manchmal. Sie machten dann die Kneipen unsicher. Entweder fuhren sie in die Stadt oder gingen in die Dorfkneipen ringsherum. Es war immer ziemlich lustig wenn die beiden unterwegs waren. Erich war ein Tierhalter. Er erklärte Ben warum dass für einen DDR Bürger wichtig war. „Du bekommst von der LPG ein Deputat an Kartoffeln und Getreide. Dafür hältst du dir ein Schwein und fütterst das bis zum schlachten.“ Erich fuhr fort: „Wenn du das Schwein schlachtest hast du für ein halbes Jahr Wurst und Fleisch.“ Nun immerhin holten sie sich gemeinsam im Schweinestall Ferkel ab und begannen mit der Schweinehaltung. Ben machte es richtig Spaß wie sein eigenes Schwein langsam heranwuchs. Einige Zeit später holten sich die beiden atte eine neue warme Jacke bekommen. Aus grünen Loden zwar schwer aber super warm. Dazu noch einen braunen Schal eine Pudelmütze und Handschuhe, selber gestrickt. Das war zwar warm aber auch sehr kratzig. Ben musste öfters helfen wenn seine Stiefmutter alte Stricksachen auftrennte. Seine Aufgabe war dann die um eine Stuhllehne gewickelte Wolle auf einen Knäuel zu wickeln. Also war er sehr warm eingemummelt und ging los um den Schlitten zu holen. Er hatte einen schönen modernenoch einige Hühner. Erich wohnte in einem Haus mit einem großen Garten. Er musste den Garten sowieso mähen und in Ordnung halten. So konnten sie ganz nebenbei auch noch Grünfutter verfüttern. Nach einiger Zeit legten die Hühner regelmäßig Eier. Dann bekam Ben noch einen kleinen Hund geschenkt. Der war so anhänglich und wurde Bella genannt. So hatte Ben mit Erichs Hilfe in kurzer Zeit eine kleine Farm aufgebaut. Er legte sich noch ein Gemüsebeet an und war als „Landwirt“ rundherum zufrieden. Eines Tages hatten beide einen freien Tag mitten in der Woche und sie fuhren in die Stadt. Sie saßen in einer Gaststätte und tranken einige Bier und Korn. So kam es das sie gegen Mittag schon sehr angeheitert waren. Da kam Erich wieder einmal auf eine seiner glänzenden Ideen. Er meinte sie sollten jetzt auf der Stelle in die Tschechei fahren. Gesagt getan. Sie fuhren mit der Straßenbahn auf den oberen Bahnhof lösten eine Fahrkarte nach Cheb und stiegen in den Zug. Zur Wegzehrung hatten sie sich noch eine Brustflasche „Wilthener Goldkrone“ mitgenommen. So waren sie ziemlich angeheitert als sie am Grenzbahnhof Vojtanov ankamen. Zollkontrolle der Organe der DDR. Ein dienstbeflissener Beamter fragte Ben und Erich wo sie denn hinwollten. Erich meinte sie wollten zwei Tage nach Cheb zum wandern. Darauf der Grenzer: „Ja wo habt ihr denn eure Zahnbürste?“ Sie machten auf ihn einen verdächtigen Eindruck und er forderte sie aun Schlitten erwartet. Sein Gesicht wurde ziemlich lang als er den Schlitten sah. Ein riesiges schweres Teil welches man zum Transport von Möbeln und ähnliche benutzt hatte. Ben war so enttäuscht, dass ihm auf dem Heimweg die Tränen übers Gesicht liefen, während er sich mit dem schweren Schlitten plagte. Teilweise ging es über seine Kräfte den Schlitten über abgetaute oder gestreute Stellen zu ziehen. Doch als er auf dem Spielplatz ankam, schauten die anderenf mitzukommen. Sie folgten dem Grenzsoldaten in das Bahnhofsgebäude. Sie kamen in eine verräucherte Amtsstube. Der Unteroffizier der sie hergebracht hatte sagte etwas zu dem Beamten in Zivil, was die beiden nicht verstehen konnten. Sie saßen beide in einer anderen Ecke des Zimmers, als die Tür aufging und zwei Grenzer eintraten. Sie kamen auf die beiden zu und forderten sie auf ihre Hände vor dem Körper auszustrecken. Dann legte man ihnen Handschellen an. Für Ben eine sehr beängstigende Situation. Dann wurden Ben und Erich über den Bahnhofsvorplatz von Voitanov in Richtung eines Barkas geführt. Als sie in den Kleinbus einstiegen sah Ben, dass mehrere kleine Gefängniszellen eingebaut waren. Jeder von ihnen wurde in eine Zelle eingesperrt und dann ging es los. Nach kurzer Fahrzeit hielt das Fahrzeug und die beiden wurden aufgefordert auszusteigen. Im Finstern sah Ben eine Art Eigenheim in das sie geführt wurden. Es ging in den Keller hinunter. Hier wurden sie jeder in eine Gefängniszelle gesperrt.Es war mittlerweile spät abends. Die Zeit wusste Ben nicht da sie den Inhalt ihrer Taschen sowie die persönliche Habe auch die Uhr abgeben mussten. Nun hieß es warten. Ben sah sich in dem schmalen Schlauch von Raum um. Die Einrichtung bestand aus einer Liege und einem Holzschemel. Gegenüber der Liege war ein Tisch an der Wand mit einem Vorhängeschloss nach oben an der Wand angehängt. Ben war es unheimlich und er fragte sich, wie er in diese Situation gekommen war. Er dachte daran, dass er morgen seinen 18. Geburtstag, wie es schien im Gefängnis feiern würde. Plötzlich klapperte es an der Tür. Ein Grenzer kam herein und forderte Ben auf mitzukommen. Ben wurde in ein Zimmer geführt. Zwei Schreibtische waren zusammengestellt und man konnte im kreisrunden Licht der Schreibtischlampen zwei Gesichter erkenne. Ben wurde aufgefordert, sich auf einen Stuhl zu setzten, der gegen&uum Kinder neidisch auf Ben`s Schlitten. Er war nämlich anders als die andern Schlitten und die Stabilität forderte zu sportlichen Höchstleistungen heraus So wollte jeder mit Ben`s Schlitten fahren und zum Ausgleich erhielt er immer den Schlitten des anderen. So ging es auf Weihnachten zu. Für Ben eine aufregende Zeit. Die Vorbereitung auf das Fest war sehr interessant. Er bastelte kleine Weihnachtsgeschenke für seine Eltern. Ben trug die Stollen zum Bäcker und hl;ber den Schreibtischen vor einem Regal stand. Erwartungsvoll sah Ben in Richtung der Schreibtische. Die beiden Männer fingen an Ben zu befragen. Dabei wechselten sie sich ab. Sie wollten wissen was Ben den ganzen Tag über gemacht hatte. Er erzählte alles ohne sich irgendeiner Schuld bewusst zu sein. Der eine Kriminalpolizist, so hatten sich die Herren vorgestellt, versuchte es ruhig und sachlich während der zweite, ein rundlicher Glatzkopf, immer Messerscharfe Fragen stellte. Endlos so schien es Ben, erzählte er immer wieder den Tagesablauf, welche Gaststätten sie besucht hätten und wann sie mit dem Zug losgefahren seien. Der strenge Polizist verließ den Raum. Der andere sah Ben prüfend an. Dann sagte er: „Übrigens seit fünf Minuten hast Du Geburtstag. Ich gratuliere dir.“ Dann fuhr er fort: „Am besten du gibst das alles zu, das ihr beide eine Republikflucht geplant habt. Dann sind deine Chancen aus der Sache herauszukommen größer. Wir wissen ja das dich Erich beeinflusst hat und das er an allem schuld ist.“ Ben lief es kochend heiß durch den Körper. Deshalb also der ganze Aufwand. Republikflucht sollte ihnen vorgeworfen werden. Ben stotterte und aufgeregt sagte er. „Das, das stimmt doch gar nicht. Wir haben nicht über eine Flucht gesprochen.“ Der zweite Polizist kam wieder herein und stellte Ben ein Glas Wasser hin. Dann ging es wieder von vorn los. Alles noch einmal. Ben war Hundemüde und ihm war wie einschlafen. Dann endlich war es vorbei. Ben wurde auf den Hof geführt. Er sah wie Erich in das Auto geführt wurde, mit dem sie hierher gekommen waren. Auch er musste einsteigen. Dann ging die Fahrt los, sie dauerte diesmal länger. Erleichtert stieg Ben aus. Mit den Handschellen in dem winzigen Verschlag war es sehr unbequem und die Füße waren ihm eingeschlafen. Er war zwar sehr müde konnte aber wegen der Aufregung und Ungewissheit nicht schlafen. So war er in einem uolte sie fertig wieder ab. Er ging mit seinen Eltern einkaufen. So kam der heilige Abend. Zur Bescherung bekam Ben dann eine neue Skihose, eine Steghose mit Schlaufen am Fuß. Sie war blau, die Lieblingsfarbe Ben`s. Er war sehr stolz auf die schöne Hose. Dazu neue Skistiefel. Natürlich durften auf seinem Weihnachtstisch die Bücher nicht fehlen. Das Buch „Graueule“ hatte er sogleich in der Nacht zum ersten Feiertag mit einer Taschenlampe unter seiner Bettdecke durchgelesen. So kam endefinierbaren Dämmerzustand. Als er neben dem Auto stand, glaubte er die Umrisse des Schlosses auf dem Amtsberges in Plauen zu erkennen.Er wurde in einen Raum gebracht, in dem nur ein einziger Stuhl stand. Er wurde an das Heizungsrohr mit der Handfessel angeschlossen. Die Müdigkeit gewann Oberhand und er war tief und fest eingeschlafen. Ben erwachte von einem stechenden scharfen Schmerz auf seinem Rücken. Es dauerte eine Weile bis er begriff, wo er sich befand. Er merkte, dass er mit seinem Rücken an eine Ecke des Heizkörpers gelehnt war. Er fühlte, dass er vermutlich schon längere Zeit in dieser Haltung gewesen war. Mit der ungefesselten Hand versuchte er an die schmerzende Stelle zu kommen. Er fühlte eine Blase. Es war sehr unangenehm und schmerzte sehr. Nach einer Weile kam ein Mann in Zivilkleidung und führte Ben in ein Vernehmungszimmer. Ein Beamter stellte ihm wieder endlose Fragen zum gestrigen Tag. Immer und immer wieder musste er wiederholen. Nach einer Stunde wurde Ben wieder in den Raum gebracht und war mit seinen Gedanken allein. Schmerzhaft wurde ihm sein Hunger bewusst und er überlegte, dass er gestern Mittag das letzte Mal gegessen hatte. Mit seinen Überlegungen war er von einer Minute auf die andere eingeschlafen. Er wurde unsanft aus seinen Träumen gerissen und aufgefordert mitzukommen. Er folgte dem Polizist und sollte sich an einem Tisch setzten. Dann kam jemand herein mit einer großen Schüssel dampfender Makkaroni mit Tomatensoße und Jagdwurst. Ben war so ausgehungert das er begierig anfing zu essen. Diese Makkaroni werden ihm immer als die besten seines Lebens in Erinnerung bleiben. Nach dem Essen wurde er wieder zum Verhör gebracht. Er merkte wie die Männer ihm suggestiv in die Ecke drängen wollten. Er solle doch endlich auspacken und dann wäre er frei. Ben wurde nicht müde immer wieder zu beteuern, dass er von ihren Vorwürfen nichts wüsste und das das er am ersten Feiertag die Skier vom Boden holte, sehr große und ziemlich alte. Sie waren sehr viel größer als Ben. Da seine Eltern gerade Mittagsschlaf machten fiel das niemand auf. Bens Vater war ehemals aktiver Sportler zu dieser Zeit bestand jedoch seine sportliche Betätigung im Ansehen der Spotschau im Fernsehen. So war auch hier Ben auf sich selbst angewiesen. Er schnallte sich die Ski vor der Haustür an, das erste Mal, dass er Ski an den Füssen hatte. Nun fss er sich keiner Schuld bewusst wäre. Während des Verhöres kam ein Mann herein. Er flüsterte dem Vernehmer etwas zu. Dann blickten sie beide etwas freundlicher zu Ben. „Dein Kumpel hat gestanden. Du hast mit der Sache nichts zu tun. Du kannst gehen.“ Ben fiel bei diesen Worten nicht nur ein Stein, nein ein ganzer Steinbruch vom Herzen. Er bekam seine persönlichen Sachen wieder und wurde aus dem Gebäude herausgeführt. Es war kurz vor 16:00 Uhr als sich das Blechtor des Gefängnisbaues sich scheppernd hinter Ben schloss. Ben schaute sich um und hoffte Erich zu sehen. Er stand Mutterseelen alleine auf der Straße. Ben atmete tief durch und ohne sich um zu sehen ging er schnell davon. Die Angst löste sich langsam. Er hatte unbändige Lust zu feiern, heute an seinem 18. Geburtstag. #00007FDa er nicht genügend Geld einstecken hatte, blieb ihm nichts anderes übrig als sich auf den Weg zu machen. Er hatte gut eine Stunde zu laufen. Als er im Dorf ankam, ging er als erstes zu Ines, der Frau von Erich. Er erzählte ihr alles. Ines war 36 Jahre alt und eine süße kleine Frau mit langen braunen Haar mit Löckchen. Trotz des traurigen Anlasses seines Besuches, entging Ben nicht, wie attraktiv Ines war. Sie fragte Ben aus, begierig auf jedes Wort zum Verbleib ihres Erichs. Ben meinte „Mach dir keine Gedanken ich kümmere mich um die Tiere und das Futter. Erich hat mir ja alles gezeigt.“ Dann begab sich Ben ins Lehrlingswohnheim. Er wurde mit lautem Gejohle begrüßt. Der Raucherplatz war voller Leute. Keiner hatte eine Ahnung wo Ben herkam. Sie gratulierten ihm zum Geburtstag. Ben hatte schon für diesen Anlass einen Kasten Bier versteckt gehalten. Der kam jetzt zum Vorschein und bald waren alle in lustiger Stimmung. Zu vorgerückter Stunde erzählte Ben seinen besten Freunden was ihm zugestoßen war. Bedrückt hörten sie ihm zu. Ben meinte: „Ich will das vergessen und Prostuhr er los und das gerade hin fahren ging ganz gut. Er fuhr in einen nahe gelegenen Park er war so ungefähr zwei Kilometer entfernt. Dort ging es ohne Umschweife auf den höchsten Berg. Er war der Meinung, wenn es bisher gut ging so könne die Abfahrt erst recht nicht weiter schwierig werden. So fuhr er los und hatte im Nu eine schöne Geschwindigkeit drauf und plötzlich sah er einen kleinen Jungen der seinen Schlitten den Berg hochzog. Er musste ausweichen und ehe Ben sich versa.“ Es dauerte nicht mehr lange und alle waren nach und nach im Bett verschwunden. Ben ging jeden Tag zweimal auf Erichs Grundstück um die Schweine und Hühner zu füttern. Er fragte bei Ines nach ob es neue Nachrichten von Erich
gab. Eines Tages sagte sie ihm: „Erich wird verurteilt sie werfen ihm vor, dass
er Republikflucht vorbereitet hätte.“ Ben meinte ungläubig: „Was glaubst du ist
da etwas dran? “ Ines sagte: „Ich weis es nicht aber zu zutrauen ist es ihm. Er
hat immer irgendwelche unmöglichen Dinge im Kopf. Der Westen hat ihn schon
lange interessiert.“ Ben war ratlos er wusste nicht was er davon halten sollte.
Am Wochenende war im Sportlerheim im Nachbarort ein Tanzabend. Ben freute sich
darauf. Nach den Aufregungen der vergangenen Tage mochte er mal wieder
unbekümmert feiern und Spaß haben. Conny hatte wie Ben auch in diesem Jahr die
Lehre beendet und wohnte wie er noch im Lehrlindwohnheim. Conny, gefiel Ben und
er überlegte angestrengt, wie er es denn anstellen könne um mit ihr gemeinsam
zum Tanz zu gehen. Er nahm allen Mut zusammen und fragte Conny. Sie sagte sie
habe schon eine Einladung. So ging dann Ben mit den anderen Jungs los. Sie
schlenderten über das Feld und waren nach einer halben Stunde auf dem Tanzsaal.
Es spielte eine Band die aktuellen Hits „Der Junge mit der Mundharmonika“,
„Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ und so weiter. Neben der Tanzfläche
waren rechts und links an der Wand Stühle aufgestellt. Auf der einen Seite
saßen die Mädels und auf der anderen Seite die Jungs. Wenn ein junge ein
Mädchen sah, welches ihn interessierte steuerte er darauf zu und zog es an der
Hand auf die Tanzfläche. Sie versuchten dann zwanglos ein Gespräch anzufangen,
dann wurde an der Bar etwas getrunken und wenn man sich symphatisch war
verabredete man sich wieder. Meistens kam es auch das erste Mal schon zum schmusen
oder bei viel Glückh landete er äußerst schmerzhaft in einem Gebüsch. Seine Neue
Skihose hing in Fetzten vom Oberschenkel und aus dem Riss tropfte das Blut. Die
Schier waren um die abgebrochenen Spitzen gekürzt. Na ja das würde eine Menge
Ärger geben. So beendete Ben seine Wintersportkarriere schnell wieder und hinkte nach Hause.
Er verstaute die Skier heimlich im Boden nachdem er die Spitzen mit Klebeband wieder befestigt
hatte. So vergingen die Tage. Ben arbeitete im Grünfuttertrockenwerk im Schichtdienst. Er musste oft am Wochenende arbeiten und hatte dann in der Woche frei. Die Schweine waren herangewachsen. Es wurde Zeit sich um das Schlachtfest zu kümmern. Ben fuhr zum Fleischer. Hausschlachtung war für ihn ein lukratives Nebeneinkommen. Es wurde ein Termin für das Schlachten vereinbart. Ben Ines und Rolf hatten mit den Vorbereitungen voll zu tun. Sie mussten sich Gewürze und Gläser und Därme besorgen. Das nahm immer wieder Zeit in Anspruch. Man brauchte dazu Beziehungen. Schließlich war der große Tag da. Es war ein Samstag. Zwei Schweine das von Ben und das von Erich waren zu schlachten. Anfang Dezember war auch die richtige Kälte vorhanden. So worden am Morgen die Schweine gestochen. Dann hingen sie auf Leitern zum auskühlen. Die Innereien kamen in den großen Wäschekessel im Waschhaus. Dann ging es sehr zügig. Die Schweine wurden zerlegt und die einzelnen Wurstsorten vorbereitet. Es wurde zügig gearbeitet und ab und zu eine Flasche Bier oder ein Obstler getrunken. Am Abend gab es dann ein Festmahl. Ben hatte Petra eingeladen. Er war nervös und schaute immer nach ihr aus. Aber leider,
sie kam nicht. So fiel es denn auf das Ben nicht so ausgelassen war wie sonst.
Dem Alkohol wurde reichlich zugesprochen. Inas Sohn und Tochter waren
Nachmittag abgeholt worden sie verbrachten einige Tage bei den Großeltern in
Chemnitz. Am späten Abend als alle Gäste gegangen waren, räumten Ina und Ben
auf. Ina war reichlich betrunken und als Ben in seine Bodenkammer verschwinden
wollte hängte sie sich an Ben und drückte und küsste ihn ab. Ben versuchte sich
aus der Umklammerung zu lösen. Doch es war zwecklos. So hob er Ines auf und
trug sie in ihr Schlafzimmer. Er legte sie aufs Bett und versuoch dass sie im vergangenen Jahr gestorben war. „Ben geh
wieder zurück“ sagte sie zu ihm. „Geh, geh“, hörte er seine Oma rufen. Dabei
zeigte sie zurück in die Richtung woher er gekommen war. Er spürte plötzlich einen
kühlen Wind. Ben konnte, so sehr er sich auch bemühte, nicht weiter in diese
Richtung fliegen, während die alte Frau ihm andeutete umzudrehen. Er schwebte
wieder über seinem Krankenbett, wo sich Arzt und Schwestern noch
immer um seinen Körchte sich aus der
Umklammerung zu lösen. Doch sie ließ ihn nicht los. Sie zog ihn aufs Bett und
setzte sich auf Ben. Dann küsste sie ihn. Zwischendurch sagte sie ständig: „Magst
du mich. Du. Du musst mit mir schlafen. Ich lass dich nicht los.“ Dabei küsste
sie ihn immer wieder und begann sein Hemd aufzuknöpfen. Als sie Bens Oberkörper
aus den Kleidern geschält hatte, begann sie sich auszuziehen. Ben war
inzwischen sehr erregt und er mochte nicht mehr über die Folgen nachdenken. Sie
geben sich beide dem Spiel hin. Fasziniert schaute Ben sie an und er sah den
Körper einer wundervollen Frau. Sie war fast doppelt so alt wie Ben. Das lange, dunkle Haar lag auf ihrer Haut und
umgab sie wie ein weicher Umhang. Sie fror und die Warzen ihrer kleinen,
prallen Brüste waren dunkel und hart. Er wollte mehr sehen und streifte ihren
Slip herunter. Der flache Bauch ließ die Knochen ihres schmalen Beckens
erahnen, die das dunkle, geheimnisvolle Dreieck einrahmten, auf dem sein Blick
lag. Das Bild, das er betrachtete, weckte das Verlangen in ihm, von dem er sich
hatte freisprechen wollen. Ben war sehr erregt er kam nicht mehr zum überlegen.
Seine Neugier war geweckt. Ja, er wollte es sehen. Jeden kleinen Winkel dieses
Körpers wollte er sehen. Das dunkle Dreieck zwischen ihren geöffneten Schenkeln
lockte und forderte nach seinen Fingern. Langsam strich er mit seiner
Handinnenfläche über die Scham und genoss die Weichheit des dunklen Flies. Wie
sie sich ihm entgegenstreckte und bebte. Er spürte die beginnende Feuchtigkeit
und es machte ihm Spaß ihr wildes Verlangen auszukosten. Er ließ sich Zeit und genoss.
Mit der Berührung war etwas geweckt, wovon sie mehr wollte. Sie führte seine
Finger um die Berührung dorthin zu lenken wo es ihr am meisten gut tat. Mit den
Fingern ihrer linken Hand teilte sie ihre Schamlippen und er glitt mit den
nassen Fingerspitzper bemühten.Er kam plötzlich wieder zu sich. 1.Bratwurst oder Schweinebraten mit Linsen - Damit im kommenden Jahr
das Kleingeld nicht ausgeht Ganz besonders hatte ihn das Buch „Die Reise im Ballon“ vom gleichen Autor begeistert. Er sah sich seither wie die Romanhelden im Heißluftballon über die Pyramiden fuhren. Diese Bilder wersoNormal>Sie gaben sich Mühe von allem etwas zu haben. Ben verwendete viel Zeit darauf ein gutes Sauerkraut zu bereiten. Je nach Säuregehalt wird es zwei oder dreimal gewässert dann schön langsam gar geköchelt. Zuletzt kommt ein geriebener großer Kartoffel und ausgelassener Speck hinzu. Alle waren begeistert. Viel wurde gemeinsam unternommen und sie hatten alle eine wunderbare Zeit. Eines Tages erhielt Ines ein Schreiben aus der Haftanstalt in der ihr mitgeteilt wurde, dass sie ihren Mann besuchen dürfe. Erich saß in der Nähe von Leipzig ein. Ines und Ben fuhren gemeinsam dahin. Ben brachte sie zur Haftanstalt und wartete in der Nähe in einem Cafe. Auf der Heimfahrt im Zug war Ines sehr einsilbig. Ben hatte Verständnis. So fuhren sie schweigend und schauten auf die Vorbeeilende Landschaft. Ines schaute Ben an und fragte: „Kommst du eigentlich auch ohne mich klar?“ Ben überlegte einen Moment und meinte dann: „Ines, mir war es von Anfang an klar, das unsere Beziehung nicht von Dauer sein kann.“ Ines meinte noch: „Ich habe es Erich gebeichtet. Er war nicht wütend er hat es verstanden.“ Sie unterhielten sich zum ersten Mal darüber, wie es sein wird, wenn sie nicht mehr zusammen waren. Die Zeit bis zur Entlassung von Erich verging sehr schnell und ohne nennenswerte Ereignisse. Ben ging nun öfters allein in die Disco um jemand kennen zu lernen. Er bemühte sich um ein Zimmer in seinem Betrieb. Nach einiger Zeit hatte er eine schöne Zweizimmer Wohnung. Er zog bei Ines aus. Mit geschenkten Möbeln richtete er sich häuslich ein. Ben lernte auf dem Kirmesfest ein Mädchen kennen. Sie hatte sich mehr an seinen Hals geworfen. Er spürte, dass es sich bei ihm nicht um Liebe handelte. Er schlief ein paar Mal mit Marion. Sie stellte Ben ihren Eltern vor. So hatte sich umgehend ein festgden ihn später sein ganzes Leben begleiten. Hier in der Heilstätte konnte er nicht viel tun. Einige Spaziergänge, Spiele und eben lesen. Er bekam Bücher von seinen Eltern mitgebracht. Darunter auch Jules Verne „Die Reise zum Mond“. Jemand schenkte ihm "Das Mosaik" von Hannes Hegen. Dabei die gesamten Weltraumabenteuer. Genug Futter für einen wachen, phantasievollen Jungengeist. Später, wird er immer bei positiven Veränderungen in seinem Leben an diese Wochen zuefahrener Kreislauf etabliert. Die Woche über arbeiten und am Wochenende Familienbesuche. Das alles ging Ben gegen den Strich weil es so perspektivlos war. Marion war auch im Bett sehr einfallslos. Sie fragte ihre Mutter ob Ben etwa pervers wäre da sich ihr von hinten näherte. So war Ben gerade bestrebt sich von Marion zu trennen. Er war eines Tages zum Tanz im „Treffer“ in Plauen. Als er
sich so umsah, bemerkte er ein hübsches dunkelhaariges Mädchen. Ihre beiden
Augen begegneten sich und blieben aneinander hängen. Heidi war ein süßes
lustiges Mädchen und sie verliebten sich auf den ersten Blick. Noch am ersten
Abend fuhren sie gemeinsam im Taxi zu Bens Wohnung. Eine schöne Liebesnacht war
der Beginn ihrer Beziehung. Am Morgen führte Ben Heidi nach Hause. Sie liefen
über den Kemmler, einen Berg in der Nähe von Plauen. Sonne und leichter
Schneefall begleitete ihren Weg. Angeregt unterhielten sich die beiden. Als er
sie nach ihrem Beruf fragte, zögerte sie mit der Antwort. „Na sag schon“, meinte Ben. Sie lachte und sagte: „Du wirst
es nicht glauben, ich bin in einer Fischfabrik tätig“. Ben: „Du siehst eher aus
wie eine Krankenschwester“, „Und letzte Nacht hast Du viel für meine Gesundheit
getan“. Sie hatten viel Spaß und trafen sich wieder. Alles in allem hätte es
wunderschön sein können wenn nicht… ja wenn nicht Marion wäre. Marion merkte
sehr schnell, dass Ben sein Interesse an ihr verlor. So bemühte sie sich sehr
um ihre Beziehung wieder in Ordnung zu bringen.
Eine Nacht im Januar Ben war ein fröhlicher junger Mann. Er war 25 mittelgroß, schlank und hatte dunkle Schulterlange Haare. Mit den Frauen hatte er keine Probleme. Wenn er zum Jugendtanz ging, dann konnte man Wetten, das er ein Mädchen nach Hause brachte. Mitte der 70iger Zeit „ging“ man noch miteinander. Das hieß also auf Tanz kennen lernen und dann erneut verabreden. „Mann“ musste bei Frau noch richtig baggern. Ben saß in der Wohnstube seiner Wohnung im zweistöckigen
Altbau und las Zeitung. Spaßeshalber las er die Kontaktanzeigen durch. Da fand
er eine Anzeige die ihn fesselte. „25, schlank, freundlich sucht passendes
Gegenstück.“ Er schloss die Augen und hielt sein Gesicht in die Sonne. Die
warmen Strahlen, die an diesem Wintertag zum Fenster herein schienen, verleiteten
ihn zum träumen. Er sah in seinem Inneren ein schlankes Mädchen mit halblangen
Haaren mit einem freundlichen Gesichtsausdruck. Er hatte das schon vergessen, als er nach ungefähr zwei
Wochen einen Brief in seinem Briefkasten fand. Seine Anschrift prangte in
gleichmäßiger, schöner Schrift auf dem Couvert. Er beeilte sich, in die Wohnung
zu kommen und öffnete aufgeregt mit zittrigen Händen den Brief. Er las einmal
und noch einmal bis er den Sinn begriff. „….und somit bin ich am 30. Januar in
der Stadt und schlage vor, dass wir uns 18:00 Uhr am Ratskeller treffen.“ Brigitte gab Ben den Wagenschlüssel und wie
selbstverständlich stiegen sie ein und tuckerten los zu Ben`s Wohnung.
Routiniert steuerte Ben das Fahrzeug und Brigitte schaute ihn bewundernd von
der Seite an. Sie fühlte sich wohl. Als sie vor Ben`s Wohnhaus ankamen sahen sie
wie einige Mädchen hinter der Haustür
verschwanden, als hätten sie auf ihr Eintreffen gewartet. Ben schmunzelte. Sie
gingen ins Haus, er schloss seine Wohnungstür im Erdgeschoß auf. Sie traten ein
und er sah wie sie sich erstaunt umsah. Ein auf Hochglanz polierter Fußboden
und eine wohlige Wärme empfing sie. „Was möchtest du trinken?“ Dann saßen sie nebeneinander auf dem Sofa und während sie sich unterhielten blickten sie sich immer häufiger in die Augen. Sie schaute in Bens blaue Augen und wieder blitzte es, wie am Nachmittag als sie sich das erste Mal sahen. Sie lehnte sich an seine Schulter und blickte zu ihm auf. Plötzlich kamen sie sich nahe und küssten sich lang und intensiv. Sie umarmten sich und küssten sich immer wieder. Die Hände suchten und sie berührten ihre Körper zärtlich. Langsam fielen die Kleidungsstücke und heiß und hastig liebten sie sich. Voller wilder Leidenschaft erreichten sie den Höhepunkt. Als er spürte wie sie innerlich vibrierte und stöhnte ließ auch er sich fallen. Dann lagen sie aneinander gekuschelt bis sich der Atem wieder beruhigte. Ben hatte vom Fußende des Sofas die Decke geholt und Brigitte zärtlich zugedeckt. Sie lagen ohne Worte und fingen wieder an sich zärtlich zu berühren. Küssend und liebkosend wälzten sie sich auf dem Sofa und fingen an sich erneut zu lieben. Diesmal langsam zärtlich und anhaltend. Erhitzt und glücklich lagen sie, schauten sich liebevoll in die Augen. Plötzlich erblickte Brigitte die Uhr. „Oh ich muss los, es ist gleich Mitternacht und ich muss sehr früh aufstehen.“ Eilig zogen sie sich an. Ben wollte Brigitte zum Auto begleiten. Als sie aus dem Haus traten fiel sie ihm um den Hals. Sie genossen noch einmal dieses schöne Gefühl in der klirrenden Kälte. Dann kratzten sie die Scheiben des Trabbi frei und Brigitte setzte sich ins Auto. Sie versuchte zu starten. Aber der Trabbi tat es nicht. Er drehte zwei dreimal und, Aus! Ben schob den Trabbi rückwärts bis zur nächsten Straßenkreuzung. Dann ging es nach rechts einen Berg hinunter. Der Trabant sprang an. Brigitte winkte und verschwand zuckelnd in einer weißen Abgaswolke. Ben ging mit festen Schritten zu seiner Haustür. Ihm war plötzlich klar, dass mit diesem Abend eine große Veränderung in sein Leben getreten war. Er lag noch lange im Wachtraum und dachte an das Erlebte. „Ich glaube“ sagte er zu sich: „Ich habe die Liebe gefunden.“. Sie hatten sich für den Mittwoch verabredet. Brigittes Mutter war im Krankenhaus ganz in der Nähe von Bens Wohnung. Brigitte holte Ben pünktlich ab. Wieder sollte Ben ans Steuer. Sie fuhren ins Krankenhaus. Brigittes Mutter war sehr nett. Auch ihr Vater war zu Besuch. Ein freundlicher Mann. Nach der Sprache zu urteilen ein Ostpreuße. Sie unterhielten sich eine Weile. Häufig fanden sich die Blicke von Brigitte und Ben. Ohne Worte war nach ihnen klar, was der andere wollte. So waren sie nach einer halben Stunde wieder aus dem Krankenhaus. In Bens Wohnung fragte Brigitte: „Darf ich dir die Haare schneiden?“ Ben war zunächst verdutzt und meinte: „Du bist die Friseurin, meinst du meine Haare müssen ab?“ Er war insgeheim Stolz auf seine Haarpracht. Brigitte sagte: „Ich denke mir du siehst mit kurzen Haaren sicher noch attraktiver aus.“ Brigitte fing an zu schneiden und die Haare fielen auf den Boden. Er gefiel sich dann doch als er in den Spiegel sah. Sie hatte ihm eine moderne Frisur verpasst, die ihm sehr gut stand. Brigitte hatte Ben ein Hemd mitgebracht. Er wird es nie vergessen. Es war ein hochmodisches Hemd mit spitzen langen Kragenecken. Auch die Farbe war hochmodern. Ben stach sie doch ins Auge. Lila, ein kräftiges reines lila. Ben hatte für Brigitte Blümchen besorgt und eine kleine Pralinenpackung. Er hatte am Montag herausgehört das sie diese Sorte gern mag. Sie bedankten sich gegenseitig für die Geschenke. Als sie sich umarmten und küssten sanken sie wie von selbst auf das Sofa. Dann sollte Ben das Hemd anziehen und dann fuhren sie in das Kaufhaus weil Brigitte einige Erledigungen machen wollten. Vertraut, wie wenn sie sich schon ewig kennen würden, gingen sie Hand in Hand durch das Menschengetümmel. Sie unterhielten sich und lachten, sie verlebten einen lustigen gemeinsamen Nachmittag. Am späten Abend fuhr Brigitte wieder ab. Sie lebte zu jener Zeit bei ihren Eltern. Sie versprach am nächsten Tag nach der Arbeit wieder zu kommen. Dann brachte sie einige persönliche Dinge und Kleidung mit und sie wohnten zusammen. Alles innerhalb einer Woche. Schon am Wochenende fuhren sie einige Möbelstücke von Brigittes Elternhaus nach Plauen. Sie begannen sich ein gemeinsames Nest zu bauen. Für Ben war es als sei er im Himmel. Brigitte erwies sich als sehr praktisch für alles was das einrichten und organisieren ihrer neuen Gemeinsamkeit betraf. So kam es, dass die beiden schon in der nächsten Woche gemeinsam in die Wohnungsverwaltung gingen. Sie wollten die benachbarte Zweizimmer Wohnung zu den zwei Zimmern von Ben dazu und zu einer größeren ausbauen. Sie bekamen die Wohnung und die Genehmigung zum Ausbau. Eifrig machten sie sich ans Werk. Die Zimmer waren jeweils ein kleines und ein großes Zimmer. So bauten sie einen Flur ein und der Rest diese großen Zimmers wurde Schlafzimmer. Das zweite große Zimmer wurde Wohnzimmer. Dann machten sie sich an die Möbelbeschaffung. Das war auch dringend nötig denn Bens Bett war schon mehrmals nachts zusammengebrochen. Es war altersschwach und den Anforderungen der jungen Menschen nicht mehr gewachsen. Dann bauten sie die Küche und das Bad aus. Brigitte und Ben waren sehr glücklich. Alles was ging taten sie gemeinsam. Sie wuchsen immer mehr zusammen. So kam der „Frauentag“ das war der 8. März. Brigittes Firma hatte, wie üblich zu diesem Tag eine große Betriebsfeier organisiert und Ben sollte unbedingt mit. Sie tanzten das erste Mal gemeinsam. Bisher hatte sich noch keine Gelegenheit ergeben. Es wurde ein lustiger Abend und zu später Stunde kamen sie beide ziemlich angeheitert nach Hause. Während des Abends hatte sich zwischen den beiden ein sexueller Hunger aufeinander aufgebaut. So konnten sie es nicht erwarten nach Hause zu kommen. Kaum waren sie zu Hause eingetroffen, rissen sie sich die Kleider vom Leib und fielen übereinander her. Es wurde eine heiße Liebesnacht. Immer wieder liebten sie sich heiß und innig bis sie gegen morgen entkräftet aber glücklich einschliefen. Es war ein mächtiges Band der Liebe zwischen den Beiden entstanden. Brigitte hatte einen Verdacht. Im April blieb bei ihr die Regel aus. Sie bemühte sich um
einen Termin beim Frauenarzt. Ben begleitete Brigitte zu diesem Termin.
Ungeduldig harrte er im Wartezimmer aus. Plötzlich ging die Tür auf. Ben konnte
an Brigittes Gesicht das Ergebnis ablesen. Der Glanz in den Augen und der
glückliche Gesichtsausdruck verriet Ben Alles. Sie umarmte Ben und sie drückten
sich. Traute Zweisamkeit mitten im besetzten Wartezimmer. Sie vergaßen die Welt
um sich her. Brigitte fasste mit ihren Lippen Bens Ohrläppchen und zog zärtlich
daran. Sie flüsterte ihm ins Ohr: „Schatz wir werden Eltern.“ Ben fühlte sich
wie im siebenten Himmel. In ihm erklang Musik und er war völlig aufgeregt vor
Glück. „Ich bin froh.“ meinte er. Sie fassten sich an den Händen und gingen. Ben hatte auch schon einige solche Geschichten mit Heinz
erlebt. Heinz war Ausfahrer bei einem Konditoreibetrieb. Öfters kam er mal und
gab Brigitte und Ben eine beschädigte Torte. Die Torten standen in Kästen in
den Lieferwagen. Bei scharfen Bremsvorgängen geschah es öfters das Torten
beschädigt wurden. Diese durften die Fahrer sich dann mitnehmen. So hatten die
beiden öfters Torte im Kühlschrank als Wurst. Das war eine lustige Zeit. Als es
sich herumgesprochen hatte das Brigitte schwanger sei, kümmerten sich alle
rührend um sie. Im Nachbarhaus war ein Friseursalon. Brigitte stellte sich vor
und konnte dort arbeiten. Somit fiel für sie das tägliche Fahren weg. Ben
arbeitete zu dieser Zeit im Schichtdienst in einem Futtermittelwerk. Brigitte
und Ben verbrachten ihre Freizeit mit dem „Nest bauen“. Sie bauten die Wohnung
um, richteten vor und räumten neu ein.
Viel waren sie mit den Familie Müller im großen Garten der nur 20 Minuten zu
Fuß von ihrer Wohnung entfernt war. Er fand den offenen Umgang in der Partei immer sehr gut. Sie konnten sich untereinander auch mehr sagen als im täglichen Leben oder in der SED. Die Angst vor ungebetenen Zuhörern war den meisten DDR Bürgern sowieso eine Art Instinkt oder Pawlowscher Reflex geworden. In Familienkreisen wurde auch über die Auswirkungen von „staatsfeindlichen Äußerungen“ gesprochen. Zu dieser Zeit war es seltener so das man für Äußerungen eingesperrt wurde, eher war es so das mancher erhebliche Nachteile im Beruf oder bei der Beschaffung bestimmter Waren zu erwarten hatte. Ben hatte Bekannte die gut qualifiziert waren und trotzdem beruflich keine Aufstiegsmöglichkeiten hatte. Bei jeder Beförderung wurde sie übergangen. Manche kamen auch nie dahinter warum sie kein Auto bekamen oder keinen Garten. Ben war aber kein Mitläufer, er wollte wirklich etwas ändern. Dinge die Ben oft nicht verstand hatten meist mit Gerechtigkeit zu tun. Ben war der Meinung man könne nicht über die Dinge schimpfen sondern müsste aktiv an der Veränderung arbeiten. Seine ehrliche und aufrichtige Art machte ihn bei seinen Bekannten und Kollegen sehr beliebt. Ben war nun auserwählt wurden zu einem „Drei Wochenlehrgang“ seiner Partei zu gehen. Bisher waren Ben und Brigitte noch nie getrennt gewesen seit sie zusammen gezogen waren. So gab es natürlich erst einmal eine Diskussion zwischen den
beiden. Ben meinte für ihn sei es wichtig einige politische Zusammenhänge
besser begreifen zu können. So waren sich die beiden einig, Ben geht die drei
Wochen auf Lehrgang. Ben wusste was für eine Leistung Brigitte erbracht hatte. Sie setzten sich ins Auto, Ben seit langem wieder mal am Steuer und fuhren einige Kilometer in einen Wald. Brigitte hatte an alles gedacht. Sie hatte eine Decke und alles für ein gemütliches Kaffeetrinken zu zweit eingepackt. Und so waren sie bald in liebevollem Gespräche vertieft. Sie blickten sich in die Augen und im nu war ihre Vertrautheit wieder da. Sie schmusten ganz ausgiebig und liebten sich. Die Zeit ging viel zu schnell vorbei. So viel es ihnen sehr schwer sich zu trennen. Sie wussten aber, es waren nur noch fünf Tage, und dann würde Ben wieder zu Hause sein. Im Herbst begannen sie Streifzüge durch die Geschäfte zu machen um Baby Kleidung aufzutreiben. Es war nicht so einfach unter DDR Verhältnissen. Der Staat sorgte mit Hilfen für junge Familien für einen Babyboom und andererseits war Baby Kleidung ein begehrter Exportartikel, so dass hier ein ewiger Mangel herrschte. Junge Familien konnten einen Ehekredit beantragen. Dieser konnte zur Wohnungseinrichtung verwendet werden. Bei jeder Geburt eines Kindes wurde eine gewisse Summe getilgt. An sich eine gute Sache aber Ben und Brigitte waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht verheiratet. So waren sie gezwungen preisbewusst einzukaufen. Der Kinderwagen konnte hochmodisch und preiswert aus erster Hand erworben werde. Auch aus der Verwandtschaft und Bekanntschaft wurden einige Dinge gespendet. Am meisten freuten sich die beiden über einen kleinen Ballen Baumwollwindel Stoff, eine Spende einer Kollegin von Brigitte. Daraus konnten sehr gute Windeln gesteppt werden. Ja so was wie Pampers gab es damals nicht. So kam der Dezember immer näher. Mitte Dezember so war der voraussichtliche Geburtstermin. Am 18. Dezember fuhren sie zu einer Untersuchung in die Klinik. Brigitte wurde von zwei Schwestern entgegen genommen und in das Untersuchungszimmer geführt. Nach einer Weile kam eine der Schwestern heraus und sprach zu Ben: „Ihre Frau muss gleich hier bleiben“. Ben durfte Brigitte nicht mehr sehen. Er sollte am nächsten Morgen noch persönliche Sachen vorbeibringen. Also fuhr er nach Hause. Am nächsten Morgen war Ben sehr früh auf und richtete die Sachen, die er mit in die Klinik bringen sollte. Dann fuhr er los, ohne Frühstück, weil er es nicht erwarten konnte Brigitte zu sehen. Die Schwester nahm die Sachen entgegen und sagte: „Vor zwei Stunden hat ihre Frau einen kräftigen Sohn entbunden.“ Sie führte ihn an eine Glasscheibe mit Vorhang. Ben war aufgeregt als sich der Vorhang öffnete und eine
Schwester ein kleines Bündel Mensch im Arm hielt. Ben war sehr gerührt. „Mein,
unser Sohn“ jubelte es in seinem Inneren. Ben hatte einen Weihnachtsbaum beschafft. Brigitte hatte es ihm ausdrücklich untersagt den zu schmücken. Das wollte sie selber machen. Sie legten also das kleine Wesen in den Stubenwagen. Brigitte wollte den Wagen ins Schlafzimmer stellen damit der kleine besser schlafen könne. Nicht lange und sie hörten sein kräftiges Schreien. Also stellten sie den Wagen wieder ins Wohnzimmer und der Kleine schlief sofort ein. Ben begab sich zum kochen in die Küche und Brigitte begann den Weihnachtsbaum zu schmücken. Ben war stundenlang auf der Suche nach einem schönen Weihnachtsbaum unterwegs gewesen. Schließlich hat er aus drei Bäumen einen gemacht. Stellenweise wurden Äste zusätzlich angebracht. Dazu wurde ein Loch in den Stamm gebohrt, der Ast eingefügt und mit Draht angebunden. Trotz all der Mühe die sich Ben gegeben hatte war Brigitte nicht zufrieden mit Bens Baum. Schließlich stand der Baum in voller Pracht im Wohnzimmer. Schnell gewöhnten sich die drei an ihr Zusammenleben. Alex hielt seine jungen Eltern auf Trab. Eine wunderbare Familienidylle war bei ihnen eingekehrt am heiligen Tag der Christenheit. Es war das schönste Weihnachtsfest welches die beiden jemals erlebt hatten. Alex war ihr Christkind. Ben hatte bis in das neue Jahr
Betriebsferien und sie genossen ihre Nähe in deren Mitte jetzt das Kind war.
Über die Feiertage kam viel Besuch, alle wollten den neuen Erdenbürger kennen
lernen. Der Jahreswechsel fiel auf ein Wochenende. Jeder DDR Bürger wird sich
wohl an Sylvester 1978 erinnern. An diesem Tag kam es zu einem totalen
Stromausfall in der gesamten DDR. Damals mussten die Soldaten der NVA in die
Kohle. Der Kampf um die Braunkohle kehrte mit schöner Regelmäßigkeit jeden
Winter wieder. Spöttisch behauptete man die vier Todfeinde des Sozialismus
wären Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und dieser Winter war besonders
streng. Dauerfrost hielt das Land umklammert. Die Insel Rügen und der Norden
waren schon zum Katastrophen Gebiet erklärt worden. In den Lausitzer
Braunkohletagebauen kam alles zum erliegen. Da der Fluss der Kohle vom Tagebau
zu den Kraftwerken unterbrochen war, fielen auch diese, eines nach dem anderen
aus. So saßen die drei am Neujahrstag bei Kerzenlicht. Da sie noch Ofenheizung
hatten, war es wenigstens warm und kochen konnten sie auch. Am nächsten morgen musste
Ben wieder arbeiten gehen. Er fuhr in seinen Betrieb, der ungefähr 15 km
außerhalb der Stadt in einem kleinen Dorf lag. Im Betrieb war noch immer kein
Strom und es war alles heillos eingefroren. So wurden alle Mitarbeiter wieder
nach Hause geschickt. Als Ben wieder in seine Straße einbog, war vor seinem
Haus alles abgesperrt und Polizei und Feuerwehr standen herum. Ben parkte sein
Auto in einer angrenzenden Seitenstraße und rannte zu seinem Haus. Neubauwohnung Ben war nun von seiner Bauernpartei zur Wahl für die Stadtverordnetenversammlung aufgestellt worden. Es folgte eine Zeit des „Wahlkampfes“. Die Kandidaten stellten sich in Betrieben und Brigaden vor. Man stellt sich heute vor es wäre schon vor der Wahl alles fertig gewesen. Nun Ben hatte sich ganz schön einzusetzen. Urlaub in Griechenland Sie saßen zusammen und feierten einen Geburtstag. Drei Familien aus Plauen. Ihr Freund Karl aus Österreich war auch dabei. Er brachte sie auf die Idee einen Urlaub in Griechenland zu planen. Karl war mit seiner Familie schon dort gewesen. Vourvourrou schlug er ihnen vor weil der Ort sehr ruhig lag und schöne einsame Strände besaß. Die vierte Familie die mit von der Partie sein würde waren auch Österreicher aus Wiener Neustadt. Fredi hatte in der Clubzeitung des ÖMTV einen Reisebericht gelesen über die von ihnen geplante Route.
Schon bei den Reisevorbereitungen nach Griechenland dachten
die Freunde über einen Besuch des Heiligen Berges Athos nach. Beim
Kartenstudium fiel natürlich die Nähe zum Urlaubsort Vourvourrou auf. Die Halbinsel Athos ist einer der drei Finger der Chalkidki im Nordosten Griechenlands. Auf dem Mittelfinger lag der ausgewählte Urlaubsort. Nach Informationen im Reisebüro konnten sie davon ausgehen, dass auf der Halbinsel Sithonia, die touristische Erschließung noch nicht in jenem Maße fortgeschritten war wie auf der benachbarten Halbinsel Kasandra. Heute sieht das sicher anders aus. Die Grenze der eigentlichen Mönchsrepublik Agion Oros
erstreckt sich von Ouranoupolis Zwar gehört Agion Oros zum griechischen Staatsgebiet,
innerhalb diesem genießt er jedoch weitgehenste Autonomie. Die Grenzen sowie die Einreisen werden vom griechischen Militär geschützt. Somit muss man die Einreise in Thesalloniki, im Kriegsministerium beantragen. Für die Beantragung der Einreise ist eine wohlwollende Auskunft der deutschen Botschaft erforderlich. Eine weitere Hürde liegt dann darin, dass auf dem heiligen Berg ein Dokument, die Einreiseerlaubnis, das so genannte Diamonitirion ausgestellt werden muss welches zum Aufenthalt auf Athos berechtigt. Dieses beantragt man im Büro des heiligen Berges in Thessaloniki, somit kann die Begrenzung der Besucherzahl genau überwacht werden. Hierbei werden sicher unliebsame Personen schon im Vorfeld aussortiert. Also es waren einige Hürden zu überwinden. In der Vorbereitung wurde ein Brief an die deutsche Botschaft gesandt mit der Bitte um einen Termin zur Abwicklung der Formalitäten. Ein weiterer Brief ging an das Kriegsministerium mit der Bitte um einen Termin zur Einreise auf den Athos während des Urlaubes. Schiffsausflug zum Athos In der Urlaubszeit in Griechenland hatte die Frau von Jörg, Anja Geburtstag. Um diesen gebührend feiern zu können dachten sich alle aus, eine gemeinsame Bootspartie zum Athos zu machen, und diese gleichzeitig mit zur Vorbereitung der Expedition dahin zu nutzen. Am folgenden Morgen trafen sich alle und fuhren nach Ormos Panagias. Sie hatten sich ausgemacht, so zu tun als ob alle Anja`s Geburtstag vergessen hatten. Und ausgemacht war auch, Anja den Grund der Ausfahrt zu verschweigen. Es fiel zwar unheimlich schwer aber alle hatten sich daran gehalten. Ben und seine Frau Brigitte und der Sohn Axel fuhren in ihrem schwarzen Renault voraus und machten alles klar mit dem Schiffspersonal. Die Frau vom Käpten war eine deutsche und so konnten sie alles mit ihr besprechen. Das Boot wurde mit dem mitgebrachten Girlanden und Luftballons geschmückt. Dann trafen auch die anderen nach und nach ein. Zuerst Martin mit seiner Frau Renate und der Tochter Ina. Dann die österreichischen Freunde Fred und Hanne mit ihrer Tochter Michi. Zuletzt traf dann die Familie Stöber ein, Jörg, das Geburtstagskind Anja und die Zwillinge Sascha und Klaus. Alle hatten sich zum Spalier an dem Schiff verabredet und hoben Anja hoch und sangen „Happy Burthday“ dabei hievten sie Anja an Bord. Nachdem alle ihre Geschenke übergeben hatten und der Gratulationslärm verklungen war, kamen auch die anderen Passagiere um Anja zu gratulieren. Das war alles sehr lustig und erzeugte eine tolle, humorvolle Stimmung. In der Zwischenzeit hatte das Schiff abgelegt. Die Frau des Kapitäns wies noch darauf hin, dass der Kühlschrank reichlich mit kalten Getränken gefüllt wäre und schon waren wir in schönster Fahrt. Die Zeit verging mit Blödelei und lustigen Gesprächen. Der Athos, der langsam aus dem Morgennebel wuchs, ließ nun seine wahre Größe erahnen. Wir fuhren aus dem Hafen genau auf die Südspitze der heiligen Berges zu. Dabei wurden Geschichten über die Mönchsrepublik erzählt. Zum Beispiel hatte die deutsche Wehrmacht im zweiten Weltkrieg versucht den Athos zu besetzten. Ein älterer Wiener erzählte auf unterhaltsame Weise. Auf Grund des unübersichtlichen Geländes und der großen Hitze die dort herrschte hätten sie aber ihr Vorhaben damals aufgegeben. Den Berg Athos, "Heiliger
Berg" (Agion Oros) nennt man den östlichsten der drei Chalkidiki-
Finger. Er ist ca. 60 km lang und 8 bis 12 km breit. An seiner Südspitze ragt
die nackte, steile Marmorpyramide des Berg Athos 2033
m aus dem tiefblauen Meer. die folgende acht Klöster (von insgesamt 20) der Halbinsel sehen: Weiter ging es, zur Mittagspause
legte unser Schiff an der romantischen,
vom Massentourismus völlig verschonten Fischer-Insel Amouliani
an, wo man herrlich Meeresfrüchte essen oder an den Strand baden gehen kann. Das
Team trennte sich und Ben und seine Familie gingen zum Mittagessen in eine
gemütliche kleine Fischerkneipe. Die Auswahl des Essens ist in Griechenland
immer sehr leicht. Den Speisekarten sind große Fotos vom jeweiligen Gericht
beigefügt. So kommt es nicht zu Sprachproblemen. Ben Brigitte und Axel, wählten ein Fischgericht mit viel Gemüse. Sie wurden in die
Küche gebeten um sich den Fisch auszusuchen. In einer Edelstahlschublade mit
Eis gefüllt lagen die appetitlichen Fische. Sie wählten einen aus. Dann kam das
Essen. Es schmeckte ausgezeichnet. Dazu gab es einen leckeren fruchtigen
Rotwein. Später schauten sie sich noch in dem gemütlichen Fischerdorf um. Als
gäbe es keine Touristen, gingen die Fischer ganz gemütlich ihren
Beschäftigungen nach. Man fühlte sich in eine ferne Vergangenheit
zurückversetzt. Auf der Insel gab es keine Autos. Die altertümlichen kleinen
geweißten Häuser waren umgeben von wunderschönen Blütenbüschen. Ein Meer von
Blüten. Alles sah sauber und gepflegt aus. Später gingen sie zum Hafen und
gingen zurück aufs Schiff. Der Kapitän fuhr eine Weile in die Bucht hinaus und
ankerte noch einmal inmitten der Bucht. Dann konnten die Fahrgäste noch eine
Weile schwimmen. Die Rückfahrt nach Ormos dauert bis 18:00 Uhr. Dieser Tag
blieb allen beteiligten noch lange in guter Erinnerung. Einige Tage später, der bewusste Termin im Kriegsministerium war da und das ganze Team einschließlich Ehefrauen und Kinder machte sich auf um nach Thesalloniki zu fahren um den Bürokratische Aufwand hinter sich zu bringen. Die Fahrt nach Thesalloniki war von besonderem Reiz. Die Landschaft war von kleinen Hügeln mit Olivenhainen unterbrochen. Sie durchfuhren kleine Typisch griechische Dörfer. Auf Grund der schon am Morgen aufkommenden großen Hitze war die Fahrt doch ziemlich anstrengen. Die Familie aus Ostereich hatte eine Klimaanlage in Ihrem Toyota. Sie wussten das zu schätzen. Die drei Familien aus Plauen hatten alle Scheiben geöffnet und trotzdem war kein kühles Lüftchen zu spüren. Martins Frau, Renate musste alle paar Kilometer austreten, das war hier dann eine willkommene Abwechslung. Von weitem konnte man den Berg Olymp sehen. Auch dies ist ein heiliger Berg. Sie durchfuhren die ausgedehnten Weingüter der Firma Imiglos. Den guten Wein dieser Firma hatten die Freunde an manchen schönen Abend genossen. Von hier kommt auch der gute Harzwein. Abwechslung bescherte der rege CB-Funkverkehr. Die Jugendlichen unterhielten sich über die CB- Funksender, die sie aus Sicherheitsgründen an Bord hatten. Schließlich zeigte sich am Horizont ein Häusermeer, welches sich als Thesalloniki erwies. Die Strassen wurden breiter, die Häuser höher und plötzlich waren sie inmitten einer quirlenden und pulsierenden Großstadt mit einem unübersehbaren orientalischen Flair. Plötzlich fuhren sie auf einer breiten Straße mit 5 Fahrspuren in jede Richtung. Als die Ampeln auf rot geschaltet waren stand das Team mit vier Autos hintereinander und wartete auf das Grünsignal. Eine fortlaufende Huperei verunsicherte zunächst. Man vermutete zuerst einen Fahrfehler oder dergleichen. Nach einiger Zeit kamen sie hinter die Gründe des andauernden Hupens. Es waren hübsche Leichtbekleidete junge Damen die auf dem Fußweg entlangliefen und durch die Hupsignale zum Blickkontakt verleitet werden sollten. Sie fuhren die Prachtstraße hinunter die unmittelbar zum Hafengebäude, einem riesigen Prachtbau vergleichbar mit dem Leipziger Bahnhof jedoch etwas größer. Auf Grund wilden Fahrweise, der sie sich anpassen mussten, schafften sie es in drei Runden nicht, an der richtigen Querstraße abzubiegen. So hieß es dann am Hafen zurückfahren, eine schmale Gasse passieren, hier parkten auf beiden Seiten Fahrzeuge mit Eingeklappten Spiegeln. Somit war es von Vorteil, dass sie an Ihren Fahrzeugen auch die Spiegel einklappten. Also wie gesagt langsam durch die enge Gasse, auf die fünfspurige Hauptstraße und versuchen in die ganz rechte Spur zu kommen. Leicht gesagt. Immer wenn die Ampeln umschalteten ging ein Ohrenbetäubender Lärm los, vergleichbar mit dem Start auf dem Nürburgring, dann rollte die Blechlawine los. In diesem Moment hätte keine Maus mehr die Chance gehabt die Strasse zu überqueren. Stoßstange an Stoßstange, einem wahren Hexenkessel gleichend fuhren alle Fahrzeuge so schnell wie es die überhitzten Motoren hergaben. Obgleich es auffiel, das die Fahrzeugtypen eher schon alt waren. Die gebräuchlichsten Typen waren Lada und Fiat. Westdeutsche Luxusfahrzeuge sah man eher selten. Diese ganze Hektik war natürlich für die Fahrer des Teams eine besondere Anstrengung. Bis auf Fred, dem Österreicher waren sie noch nie einem solchen Stress ausgesetzt gewesen. Na schließlich war es geschafft und sie bogen in eine ruhigere Seitenstraße ein. Nun bestand die nächste Hürde darin, einen Parkplatz zu finden. Als auch dieser gefunden war, begaben sich alle gemeinsam in gelöster Stimmung auf den Weg zur deutschen Botschaft. Auf halben Weg bemerkte Ben dass er den Pass im Auto vergessen hatte. Es kam zu einem sinnlosen Streit zwischen Ben und Brigitte. Schließlich hatte er mit dem Fahren zu tun gehabt und Brigitte hatte ja sonst auch immer die Papiere. Aber es half nichts. Ben musste zum Auto zurück. Alex bekleidete ihn. Die anderen setzten sich in ein Straßencafe und warteten auf die beiden. Endlich war auch diese Hürde überwunden und alle gingen gemeinsam in die deutsche Botschaft. Dort wurden sie von einem Botschaftsrat empfangen, der ihnen die wohlwollende Empfehlung (ähnlich wie ein Führungszeugnis) mit den Worten übergab: „So mit diesen Papieren können sie die Einreise im Kriegsministerium beantragen.“ „Sie werden das aber sicher heute nicht mehr schaffen.“ Jörg fragte: „Wieso?“ Der Herr erwiderte: „Ja das Kriegsministerium ist fünf Minuten von hier, es schließt aber um Zwölf.“ Ein Blick auf die Uhr zeigte zehn vor Zwölf. Jörg meinte: „Na wie wär`s denn, wenn sie schnell mal dort anrufen und uns noch ankündigen. Wenn wir es heute nicht schaffen, müssen wir noch mal nach Thesalloniki fahren.“ „Anrufen“ sagte der Botschaftsangestellte „Anrufen ist natürlich eine Möglichkeit.“ Er ging zum Telefon und sprach einige Worte in Griechisch, lächelte und legte auf. Freundlich kam er auf die Männer zu und sagte: „Frau Plessa im Kriegsministerium Zimmer 207 wartet auf Sie“. Sie bedankten sich und erkundigten noch rasch nach dem Weg. Dann liefen sie schnell los. Sie trafen im Kriegsministerium ein und suchten das benannte Zimmer. Eine nette Dame empfing sie und stellte einige Fragen. Danach erhielten sie die erforderlichen Papiere. Als sie aus dem Zimmer kamen, bemerkten sie das gediegene Ambiente. Ein roter Teppich war auf der Treppe. Sie bemerkten, wie unpassend sie für diese Umgebung gekleidet waren. Alle mit T-Shirt, die Herren mit Bierwerbung darauf, kurze Hosen und Sandalen. Sie beeilten sich um aus dem Gebäude zu kommen. Nun beratschlagten sie was sie mit dem restlichen Tag anfangen wollten. Ein Teil war für das Makedonische Museum und der Rest wollte auf die Akropolis. So taten sie dann auch. Ben und seine Gruppen gingen ins Museum. Sie standen den historischen Ausstellungsstücken staunend gegenüber. Diese tausende Jahre alten Figuren der Götter sowie die Kopie der Zeus Staue ließen den Geschichtsunterricht aus der Schule wieder lebendig werden. Ben erinnerte sich daran, dass er einige dieser Ausstellungsstücke schon in seinem Geschichtsbuch in der Schule vorgefunden hatte. Eine interessante Stunde verging wie im Fluge und am späten Nachmittag trafen sich alle in dem Straßencafe vom Morgen wieder und bei Kaffee und Schokolade wurden die Eindrücke vom Tag ausgetauscht. Später fuhren Sie nach Hause. Die Verkehrsflut vom Vormittag hatte sich beruhigt und so waren Sie am frühen Abend wieder in Vourvourrou. Es wurde beschlossen den Tag in einem der gemütlichen Strandrestaurants zu beenden. In der darauf folgenden Nacht wachte Ben auf. Die
unerträgliche Hitze und das Zirpen der Grillen machte es ihm unmöglich wieder
einzuschlafen. Er stand auf zog sich leise an um Brigitte und Alexander nicht
zu wecken und ging zum Auto. Es war so gegen zwei Uhr. Ben stieg ins Auto und
fuhr los. Er hatte kürzlich bei dem Ausflug zum Athos mitbekommen, dass die
Fischer auch nachts zum fischen herausfahren. Er hoffte insgeheim auf eine
kleinen Ausflug mit einem der Fischerboote. Er fuhr die knapp 20 Kilometer nach
Ormos
Panagias sehr zügig. Unterwegs begegnete er öfters griechischen
Autos die auf dem Standstreifen ganz langsam fuhren. Er hatte sich schon bei
seinem Vermieter erkundigt was das bedeutet. Dieser hatte mit zwei Fingern an
seinen Hals geschnipst und Ben zu verstehen gegeben das diese Langsamfahrer
wegen dem Alkohol so langsam fuhren. Ben fand diese Eigenschaft der Griechen
sehr symphatisch. Dagegen wenn in Deutschland unter Alkohol gefahren wird, kann
es nicht schnell genug gehen und viel Leid ist oftmals die Folge. Als er im
Hafen ankam hörte er ein tuckern, welche sich langsam entfernte. Traurig
lauschte er hinterher. Er hatte es leider nicht geschafft mit den Fischern
hinauszufahren. Ben setzte sich an einen Felsen neben der Kaimauer. Er sah auf
dem Meer helle Lichter. Er wusste was das zu bedeuten hatte. An den
Fischerbooten befanden sich am Heckteil Aufbauten, die des Nachts einen
Scheinwerfer tragen. Bestimmte Fischarten regieren dabei auf das Licht und
lassen sich ganz leicht im Netz fangen. Das sind die so genannten Edelfische.
Diese bringen den Fischern mehr Geld ein. Ben erinnerte sich an den Ausflug zum
Athos. Als sie sich auf der Fischerinsel Alle redeten wild auf Ben ein. Nikos half ihnen, beim Übersetzten. So verständigten sie sich mit Hilfe von Händen und Füßen. Es ging dabei um Themen, „Wie lebst du und hast du Familie?“ Angeregt unterhielten sie sich. Es wurde ein kleines Lagerfeuer angezündet. Irgendwo her brachte einer der Fischer einen kleinen Grill auf dem nun Fische gegrillt wurden. Sie ließen es sich schmecken und genossen den aufziehenden Morgen. Da plötzlich kam die Sonne aus dem Meer. Ein überwältigendes Bild wie dieser Glutball aus dem Meer aufstieg. Sie wurden still und schauten dem Naturschauspiel zu. Dann verabschiedeten sich die Männer. Sie umarmten den Deutschen, er war für diese Nacht einer der ihren gewesen. Ben fuhr nach Hause ganz rechts und ganz langsam. Unterwegs begab er sich in den Super Market, einem Familienbetrieb, der Tag und Nacht geöffnet hatte. Er kaufte frische Brötchen und was noch zum Frühstück gebraucht wurde. Als er in der Unterkunft ankam schliefen seine Frau und sein Sohn noch. Er richtete das Frühstück auf der Terrasse, ging duschen und weckte die anderen. Sie frühstückten gemütlich und fuhren an den Strand. Dort hatte Ben dann die Müdigkeit übermannt und er holte den fehlenden Schlaf nach. Die Reise auf den Heiligen Berg So vergingen die Tage leider viel zu schnell. Schließlich
war der Tag der Abreise zum Athos da. Jörg, Martin und Ben standen frühzeitig auf
und wurden nach dem Frühstück von ihren Familien und den österreichischen
Freunden verabschiedet. Auf Grund der vergangenen Zeit sollte es nunmehr nur
eine Übernachtung auf dem Athos werden. Die drei hatten sich zweckmäßige
Kleidung angezogen, langärmeliges Hemd und lange leichte Stoffhosen. Laut
Reisebeschreibung sollte man auf dem heiligen Berg seine Blößen bedeckt halten.
Es sei nicht gern gesehen in kurzen Hosen und Hemden dort einzureisen. Dann
fuhren sie mit Martins Opel Vectra nach Ouranopoli. Das war die Hafenstadt, von
wo aus Linienschiffe nach dem Haupthafen der Mönchsrepublik, nach Dafni
abfuhren. Nach etwas mehr, als einer Sunde, waren sie
angekommen. Sie suchten sich einen Parkplatz und gingen zur Anlegestelle. Nach
dem Fahrplan hatten sie noch Zeit bis zur Abfahrt. Sie schauten sich den Ort
an. Dieser hatte ein eigentümliches Flair. Ein kleiner verschlafener Ort. Auf
der Straße sah und hörte man Menschen aus allen Herren Ländern. Ein
Babylonisches Sprachgewirr inmitten von Geschäftigkeit. Und mittendrin Mönche
in den unterschiedlichsten Kutten und Kopfbedeckungen. Da sah man Mönche die
mit langen Bärten wohl auf ein Biblisches Alter zurückblicken konnten. Wieder
andere waren noch sehr Jung. Einige schleppten geflochtene Körbe andere trugen zusammengebundenen
Bündel. Alle hatten scheinbar nur ein Ziel, den Hafen. Auch die drei Freunde
merkten, dass es Zeit war zum Schiff zu gehen. Kaum war der Kai in Sichtweite,
sah man dass ein Schiff anlegte. Es war wie eine Fähre aufgebaut und man
öffnete an seinem Heck eine Platte so dass man tatsächlich mit Fahrzeugen auf
das Schiff konnte. Ein Unimog und ein Jeep fuhren auf das Schiff. Die Drei
lösten ihre Tickets und begaben sich aufs Schiff. Bei der Fahrkartenkontrolle
mussten sie ihre Pässe abgeben, ihnen wurde erklärt diese bekämen sie im
Regierungsgebäude auf dem heiligen Berg wieder. Das Schiff setzte sich in
Bewegung. In einiger Entfernung sahen die drei die Fischer Insel Amouliani vorüberziehen
und nach einer Stunde hatten sie die 30 Kilometer zurückgelegt. Das Schiff
legte in Dafni an. Griechische Beamte
kontrollierten die Einreisenden. Es wurde nach Videokameras gefragt. (es war
Filmverbot) Am schmalen Kai waren kleine Baracken mit Geschäften. Das seltsamen
war, die Verkäufer waren Mönche in ihren schwarzen Kutten. Plötzlich kam ein
Bus gefahren und eine wilde Schar von Männern ging in Richtung Schiff.
Unrasierte Männer in normaler Kleidung und Mönche mit Paketen, eine bunt
gemischte Gesellschaft. Die einen kamen und die anderen gingen zum Schiff. Die
drei Freunde bahnten sich einen Weg zum Bus. Dieser war schon fast voll. Sie
fanden auf dem Rücksitz Platz. Dann setzte sich das überfüllte Gefährt in
Bewegung. Aus dem Stand ging es völlig Übergangslos in eine Kurve und dann steil nach oben. Von
ihrem Platz aus sahen sie zwischen den Kutten hindurch nur noch den Himmel in
der Frontscheibe des Busses. Der Bus fuhr nun in Serpentinen den Berg hoch.
Eine unbändige Hitze trieb allen das Wasser ins Gesicht. Ein durchdringender
Schweißgeruch machte sich breit. Eine Situation wo das Beste Deo versagen muss.
Durch die undichte hintere Tür drangen Massen roten Staubes ein und mischten
sich mit dem Schweiß auf den Gesichtern. Sie sahen sich gegenseitig an und
mussten lachen. Ihre Gesichter sahen aus wie die von Rothäuten. Alle waren von
Kopf bis Fuß völlig verstaubt. Karies die Hauptstadt Sie waren froh, als der Bus nach fünf Kilometern ständiger Bergauffahrt plötzlich in einen kleinen romantischen Ort einfuhr. Noch eine letzte Kurve und der Bus hielt vor einem großen Gebäude. Es ähnelte mit seiner Freitreppe und den Säulen einem Theaterbau. Erleichtert endlich dem Bus heil entronnen zu sein, schauten sich die drei an und lachten herzlich. Sie klopften sich gegenseitig den Staub von der Kleidung und stiegen dann anderen hinterher die Treppe hoch. Sie kamen in eine große Halle. Erfrischende Kühle umfing sie. Im schaurigen Dunkel der Halle sahen sie lauter Stühle an den Wänden stehen. An den Wänden hingen Informationstafeln und Bilder der Klöster. Während der vergangenen Jahrhunderte war die Mönchsrepublik, die 1963 ihr tausendjähriges Bestehen feierte, ein wichtiges Zentrum orthodoxer Religion und Kultur. Einst lebten 40 000 Menschen auf dem 18 Kilometer langen und 8 Kilometer breiten Finger, heute sind es ungefähr 2000 Mönche, die in den 20 Großklöstern und mehreren kleineren Niederlassungen leben. Hier in diesem Gebäude ist die Autonome Regierung, der heilige Rat,
bestehend aus vier Priestern untergebracht. Im Hintergrund der Halle, erkannte man eine große Tür und daneben eine
Art Rezeption wo zwei Mönchen saßen. Sie sahen, wie sich ihre Mitreisenden aus
dem Bus bei den zwei Mönchen meldeten und taten es ihnen gleich. Als sie an die
Reihe kamen fragte einer der Mönche: „Your Name?“ Er
verglich dann die Namen mit einer Liste und machte hinter dem Namen einen
Haken. Als sich alle gemeldet hatten nahmen sie auf den Stühlen Platz und
warteten geduldig bis jeweils ihr Name aufgerufen wurde. Sie mussten dann,
jeder, 5000 Drachmen zahlen und
erhielten dafür ein Pergament im Briefumschlag und ihren Reisepass zurück. Bei dem Pergament handelte es sich um das berühmte Diamonitirion. Dieses berechtigt den Inhaber 4 Nächte und 5 Tage auf dem Heiligen Berg zuzubringen und kostenlos Kost und Logis in Anspruch zu nehmen. Die drei standen erleichtert vor dem Hauptgebäude der Regierung der Mönchsrepublik und schauten sich Ihre Pergamente an. In Latein war darauf angegeben das der Rat der heiligen Gemeinschaft dem Inhaber freie Kost und Logis garantiert. Vier Unterschriften besiegelten das. In der oberen rechten Ecke befand sich eine Art Briefmarke im Wert von 5000 griechischen Drachmen, diese war auch wie eine Briefmarke mit einem Stempel entwertet. Langsam setzten sie sich in Bewegung. Von der Richtung her konnten sie sich gut orientieren, da es auf Grund der Vegetation um die Hauptstadt herum keine größeren Wälder gab. Die zerklüftete Landschaft mit Tälern durchzogen ermöglichte von einem höheren Standpunkt aus sowohl nach der einen als auch nach der anderen Seite das Meer zu sehen. Sie hatten sich ausgemacht, ein in der Nähe der Hauptstadt befindliches russisch orthodoxes Kloster Koutloumousiou als erstes zu besuchen. Dieses Kloster war bekannt für seine besonderen
Wandmalereien. Doch sie verfehlten die Abbiegung zum Kloster. Nach einer halben Stunde sahen sie es dann hinter sich liegen. Zu spät zum umkehren. Sie hatten ihre Planung damals am Schreibtisch gemacht. Hier herrschten ganz andere Bedingungen. Keine ausgebauten Wege, eher getretene Trampelpfade und eine absolut Schattenlose Gluthitze von jenseits 40 C° also sehr anstrengend. Zum Glück hatte sich jeder eine Flasche Wasser mitgenommen. Jedoch das reichte nicht sehr lange. Sie begaben sich in Richtung des Klosters Iveron welches Gegenüber auf der anderen Seite der Insel in Höhe der Hafenstadt Dafni war. Das sagt sich hier so leicht bedeutete doch Angesichts beschriebene Bedingungen eine echte Herausforderung. Nachdem sie den Bergkamm überquert hatten senkte sich die Landschaft sachte in Richtung Meer hin ab. Von hier hatte man den Überblick. Ben musste daran denken was er gelesen hatte. In Frühzeiten war der Athos bedeckt mit hohen Zypresse. Diese waren von den Drakern so gut wie ausgerottet und zum Schiffsbau verwendet worden. Jetzt sah man nur hie und da eine einzelne Zypresse stehen. Dazwischen Krüppelkiefern und einzelne Olivenbäume. Nachdem sie ca. 2 Sunden unterwegs waren sahen sie vor sich am Hang eine kleine Einsiedelei liegen. Auf dem Hang vor dem Gebäude war ein Mönch tätig, er schaufelte Erdmaterial in eine Schubkarre. Es fiel auf das er keinen Schweißtropfen auf der Stirn hatte obwohl er in einer schweren blauen Arbeitskutte tätig war. Die drei begrüßten den Mönch und dieser grüßte zurück. Als sie mit ihm sprechen wollten verstand er sie nicht. Sie versuchten auf Englisch und Russisch, der Vater verstand nichts. Er wies sie in Richtung Haus. Davor stand eine Bank. Er bedeutete ihnen sich zu setzen. Das taten sie und ruhten sich aus. Der Mönch verschwand im Haus. Sie sahen sich um und packten ihre Wegzehrung aus. Der Mönch kam aus dem Haus und stellte ihnen einen großen Tonkrug mit frischem Wasser auf dem Tisch. Dann ging er weiter seiner Tätigkeit nach. Nun erst fiel ihnen die idyllische Lage der Einsiedelei auf. Im Hintergrund sahen sie eine große Klosteranlage vermutlich Iveron, ihr nächstes Ziel und dahinter das Meer. Unmittelbar vor ihnen schlängelte sich ein Fußweg Bergab und verschwand in sanften Bogen in einem kleinen Wäldchen. Dieser Wald streckte sich ca. drei Kilometer hin und endete vor der Klosteranlage. Martin stand mit einer Scheibe Brot in der Hand auf und ging vor der Bank auf und ab. Er sah in der linken Gebäudeecke einen Heukorb stehen aus dem etwas herausragte. Er ging darauf zu und im Kauen wurde sein Blick starr vor Schreck und der Bissen blieb ihm im Hals stecken. Wortlos winkte er die anderen herbei. Sie schauten voller Entsetzte in den Korb. Jörg fragte ganz entsetzt: „Was, was ist denn das!“ Ein Skelett lag in dem Korb. Die Beinknochen ragten gekreuzt aus dem Korb heraus. Im Inneren sahen sie in die leeren Augenhöhlen des Schädels. Sie wollten den arbeitenden Mönch fragen doch der war gerade mit seinem Schubkarren unterwegs. Sie liefen um das Haus herum und sahen wie der Mönch in einiger Entfernung seinen Schubkarren in eine Grube füllte. Sie konnten sich das ganze nicht erklären. Da sahen sie von oberhalb des Gebäudes eine Staubwolke auf sich zukommen. Fast gleichzeitig vernahmen sie Motorenlärm und sahen einen Jeep auf die Einsiedelei zukommen. Der Jeep hielt und heraus sprang ein freundlicher Mönch schätzungsweise um die Dreißig. Er lächelte die Wanderer freundlich an und begrüßte sie auf Englisch. Er fragte sie was sie auf dem Athos vorhätten und ob sie etwas benötigten. Jörg sprach mit dem Neuankömmling da er das beste Englisch
von den dreien sprach. Nun wurde es Zeit und die drei machten sich wieder auf den
Weg. Sie bedankten sich bei dem Arbeitsmönch, der junge Mönch war verschwunden.
Sie folgten dem Weg in den Wald. Gegen 13 Uhr kamen sie endlich im Kloster Ivirion an. Sie wurden im großen Innenhof von einem heiligen Vater angesprochen. Auch dieser sprach astreines Schulenglisch. Langsam und gut betont so konnten auch Ben und Martin das Gespräch von Jörg und dem Mönch verfolgen. Er lud die drei Wanderer ein, sich frisch zu machen. Das war dringen notwendig, völlig verschwitzt und verdreckt gingen sie in den Waschraum. Als sie damit fertig waren, stand ihr Betreuer da und führte sie in einen gemütlichen Raum, einer Cafeteria ähnelnd. Er Reichte ihnen ein köstliches Erfrischungsgetränk und kleine
Leckereien die aussahen wie Gelee Stücken. Der Betreuer zeigte auf die Stücke
und meinte „Türkischer Honig“. Der Vater erklärte ihnen im Inneren der Kirche die Ikonen. Hier war eine wichtige Ikone der orthodoxen Glaubenswelt, die heilige Mutter Gottes. Der Mensch soll keinen Leib und kein Bild anbeten. So gestaltet man die Ikonen auf besondere Art, ein goldener Leib und ein nach innen versenktes Bild. Auf dem heiligen Berg lagern unermessliche Schätze aus mehr als tausend Jahren Geschichte. Auch besondere Insignien wie Hände und Finger von Heiligen welche unverwest geblieben sein sollen werden hier bewahrt. Nach diesem interessanten Einblick wollten die drei aufbrechen um ihr Ziel des Tages noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Als sie dem Mönch ihre Absicht mitteilten fragten sie noch nach dem Weg nach dem Kloster Philotheo. Er erklärte ihnen die Richtung. Als sie gemeinsam vor das Tor traten, bemerkten sie wundervolle Gartenanlagen mit herrlichem Gemüse und Obstplantagen sowie Weinbergen. Ihr Begleiter erklärte ihnen voller Stolz, dass dieses Kloster sich in den meisten Dingen autonom versorgt. Einzig Teigwaren und Hülsenfrüchte würden im Tausch gegen Wein von „Draußen“ besorgt. Zum Abschluss fragte er nach Zigaretten. Die drei hatten Zigaretten als dritte Währung eingepackt. Martin gab ihm eine Schachtel und er bedankte sich sehr glücklich. Sie begaben sich auf den Weg und er winkte ihnen noch lange hinterher. Das Wetter hatte sich in eine unerträgliche Gluthitze
verwandelt. Jeder Schritt wurde zur Qual. Es war drückende Gewitterschwüle. Zum
Kloster Philotheo, ihrem nächsten Ziel mussten sie wieder aufsteigen. Dieses
Kloster liegt in ca. 500 m über dem Meer. So stiegen sie ohne ein Wort, jeden
mit seinen Gedanken bei den Erlebnissen des Tages. Die Zeit seit sie von
„Draußen“ kamen, war so voller Erlebnisse und
Eindrücke gewesen, das sie dachten sie wären noch Tage unterwegs. Es war kurz
vor sechs als sie nach langem beschwerlichem Aufstieg das Kloster Philotheo
erreichten. Sie kamen durch einen Torweg. Auf der linken Seite war ein großes Fenster
ähnlich einem Pförtnerraum. Die Tür stand offen und sie traten näher. Auf ihr
rufen hin hörten sie plötzlich: „Oh deutsche Stimmen“. Ein Mönch kam aus dem
Hintergrund des Raumes zu ihnen. „Mein Name ist Bruder Jeremias und ich stamme
aus Berlin.“ Ein Netter freundlicher Mann begrüßte sie. Man merkte ihm an, dass
es für ihn ein besonderer Augenblick war. Er fragte sie aus, woher sie kommen
und was sie an diesen entlegenen Ort geführt hat. Dann meinte er „Ich möchte
mich rasch darum kümmern, dass sie ein Quartier bekommen“. Er bedeutete ihnen
in der Pforte zu warten. Dann ging er eilig davon. Die drei blieben erheitert
in dem angenehm kühlen Raum zurück. Interessiert schauten sie die an den Wänden
hängenden Fotografien an. Sie zeigten Mönche bei unterschiedlichen Arbeiten.
Ein Bild zeigte einen Kutter in schwerer See. Darauf waren Fischer mit der
Bergung eines Fischernetzes beschäftigt. Ein anderes Bild zeigte Mönche in eher
beschaulicher Pose bei der Gartenarbeit. Plötzlich waren Stimmen zu hören. Bruder
Jeremias war mit einem weiteren Mönch zurückgekehrt. „So ich bringe euch Bruder
Stasios er wird sich um euch kümmern“. „Er versteht aber kein Deutsch, auf
Englisch könnt ihr euch mit ihm verständigen.“ „Ich habe noch bis 22 Uhr Dienst
in der Pforte. Ich möchte aber danach noch mit euch sprechen wenn ihr wollt.
Seit doch bitte 22 Uhr in der Bibliothek.“ Sie folgten Bruder Stasios der sie
quer über den Hof führte. Dabei zeigte er auf die rechten Gebäudekomplexe und
erklärte ihnen das wären die Zellen der Mönche. Sie kamen an einer schönen
Kirche vorbei. Im Inneren hörten sie Gesang aus Männerkehlen. Stasios sprach
mit Jörg Englisch und dieser übersetzte ihnen. Ben fragte ob es möglich sei,
sich den Gottesdienst anzusehen. Stasios meinte am Gottesdienst dar niemand
teilnehmen aber die großen Tore der Basilika stehen offen und man kann die
liturgischen Handlungen und Lesungen von außen verfolgen. Er meinte weiterhin,
dass zwischen den Gottesdiensten die Kirche für Besichtigungen offen steht. Sie
waren am Haupthaus des Klosters dem Reflektorium
angekommen. Über eine große Freitreppe gelangten sie ins Innere. Der Führer
zeigte Ihnen ein großes Zimmer im ersten Stock. Hier waren 6 Campingliegen mit
Bettzeug aufgestellt. Die drei suchten sich jeder eine Liege aus und stellten
ihr Gepäck ab. Ben hatte sich eine Liege hinter der Tür ausgesucht. Dann zeigte
ihnen Stasios noch die Toilette welches zu einem Heiterkeitsausbruch führte. In
dem einen Toilettenraum war ein Loch im Boden und zwei Trittflächen. Neben der
Tür waren zwei Handgriffe befestigt. Zum Glück war der Nachbarraum mit einem
akzeptablen WC ausgestattet. Er sah zwar aus wie ein Thron kam jedoch den
Vorstellungen der dreien schon ziemlich nahe. Und sauber war es allemal. Ehrwürdige dicke Folianten standen in einem Teil der Regale. Auf der anderen Seite standen moderne Bücher wie sich unschwer am bunten Buchrücken erkennen ließ. Ben und Jörg begaben sich an die Regale und stöberten in den Büchern. Ben hielt plötzlich einen sehr modernen Bildband in der Hand. Er blätterte amüsiert in dem Buch und sah einige der Bilder wieder die sie zuvor in der Pforte an der Wand hängend gesehen hatten. Es wurde das Alltagsleben der Mönche vom heiligen Berg gezeigt. Wenn die Kutten nicht wären und der auffällige Männerüberschuss so hätten sie von jedem beliebigen Ort der Welt stammen können. In einer Ecke des Raumes stand eine gemütliche Sitzecke in der Martin schon Platz genommen hatte. Auch er hielt ein altes Buch in der Hand und versuchte die Lateinischen Letter zu entziffern. Es war eine eigene Stimmung. Draußen war es absolut finster. Kein Lichtschein drang aus den Zellen oder Räumen in den Hof. Jeder war beschäftigt und es war ruhig im Raum. Plötzlich sahen sie eine schwarze Katze auf das Fensterbrett springen. Sie war urplötzlich aus der Finsternis erschienen. Eine Weile später flatterte eine Fledermaus von dem einem Fenster zu dem anderen. Also die drei waren mental allerbestens auf das Kommende vorbereitet. Sie hörten schlurfende Schritte, die sich der Tür näherten. Die Tür ging auf und Pater Jeremias trat ein, gefolgt von einem weiteren Bruder welcher ein Tablett mit Weingläsern und einer geöffneten Flasche Rotwein trug und auf dem Tisch abstellte. Er nickte in die Runde und verließ den Raum wieder. Pater Jeremias setzte sich und schenkte den Wein in die Gläser. Auch Ben und Jörg hatten zwischenzeitlich Platz genommen und es herrschte eine gespannte Aufmerksamkeit. Jeremias räusperte sich und forderte die die Runde auf die Gläser zu ergreifen. Sie stießen an und führten die Gläser an den Mund. Ein vollmundiger Roter, man konnte die Sonne förmlich schmecken. Ben dachte an den Idyllischen Weinberg hinter dem Haus. Der Wein lockerte die Atmosphäre und im nu waren die Männer im schönsten Gespräch. Sie hatten viele Fragen zu ihren Erlebnissen des vergangenen Tages. Jörg schilderte was ihnen an der Einsiedelei begegnet war. Er fragte was es mit dem Gerippe im Heukorb auf sich haben könnte. Pater Jeremias bekam einen ernsten Gesichtsaudruck und berichtete über die Begräbniszeremonien. Auf dem Athos werden verstorbene nach ungefähr fünf bis acht Jahren, je nach Bodenbeschaffenheit, ausgegraben. Die Knochen werden dann mit Wasser und Wein gewaschen und in
Beinhäuser gelegt. Hier bot er den dreien an ihnen das Beinhaus am nächsten
Morgen zu zeigen. Sie lehnten mit leichten Schaudern ab. Nun kamen sie auf den
Pater zu sprechen. „Wie kamen sie hierher?“ fragte Martin. Bruder Jeremias
erzählte ihnen, dass er vor drei Jahren genau wie sie als Tourist auf den Athos
gekommen wäre und nach einiger Zeit war das Verlangen in ihm erwacht für immer
hier zu bleiben. Er hatte zur damaligen Zeit eine große Lebenskrise hinter sich
und damit eine Scheidung. Ihn habe das Leben auf dem Athos fasziniert. Er
konnte als Novize ein halbes Jahr in der Klostergemeinschaft leben um sich zu
prüfen. „Nach dieser Zeit“ so fuhr er fort, „wurde mir klar dass hier mein
Leben ist. Ich habe meinen Glauben wider gefunden und kann hier in diesem
Kloster Gott am besten dienen.“ Man merkte dem Mann an wie ernst er das meinte.
Der Mönch berichtete noch, dass er die nächsten Tage, noch ein letztes Mal nach
„Draußen“ müsse. Er müsse seinen bürgerlichen Namen um seinen Namen als Mönch
ergänzen. Dazu würde er in sein zuständiges Standesamt nach Berlin- Stahnsdorf
fahren und die Sache regeln. Ben gefiel dieser Mann. Er hatte eine Entscheidung
getroffen zu der er stand. Diese Entscheidung war für ihn eine Entscheidung für
eine neue Aufgabe in der er seine Erfüllung finden kann. Er bemerkte wie fest
dieser Priester in seiner Mitte stand. Er erzählte ihnen begeistert wie die
Mönche in seinem Kloster arbeiteten und studierten. Stolz erzählte er von der
neuesten Errungenschaft des Klosters einem Kavernenkraftwerk welches einen
Wasserfall im Berg ausnutzt zum Stromerzeugen. Es war eine sehr moderne Anlage
aus Österreich. Wenn die Mönche sich solchen Luxus leisten so müssten sie dafür
Lebensmittel wie Wein und das gute Athos Mineralwasser sowie Obst und Gemüse
nach „Draußen“ liefern. Somit war auch der Strom eine Gemeinschaftsleistung der
Mönche. 22 Uhr wird der Strom abgeschaltet. Dann erfolgt eine Rückkehr in die
über tausendjährige Geschichte der Mönchsrepublik. Ansonsten konnten sich die
drei Pilger überzeugen, dass zumindest in diesem Kloster eine moderne Weltsicht
vorherrschte. Zuletzt kamen sie noch auf die morgige Abreise zu sprechen. Pater
Jeremias ging noch einmal weg um eine neue Flasche zu holen. Dann erklärte er
ihnen das am Morgen ein Unimog vom Kloster aus nach Dafni fährt um Waren zu
holen. Mit dem könnten sie mitfahren. So war das Problem auch geklärt. Im nu
war die Zeit vergangen und es war schon weit nach Mitternacht. Die Nacht war im nu vorbei. Nach und nach begaben sich die Zimmergenossen in die Dusche und machten sich fit. Nach kurzer Zeit fanden sich alle im großen Speisesaal ein und frühstückten. Männer sind halt in solchen Situationen sehr unkompliziert. Frisches Brot und Eier Butter und wieder mundiger Rotwein mit Wasser verdünnt das war das leckere Frühstück. Nach dem Frühstück trafen sich die drei Freunde auf dem Hof. Aus der Basilika erschallen getragene Weisen aus Männerkehlen, es klang für die drei wie ein Abschiedlied als sie sich von den Umstehenden verabschiedeten und in Richtung Tor trotteten. Als Sie durch die Toreinfahrt traten bemerkte sie Pater Jeremias in der Pforte. Eilig kam er auf sie zu gelaufen. Sie verabschiedeten sich ganz herzlich. In der kurzen Zeit,
die sie miteinander verbracht hatten waren sie gute Freunde geworden. Der Mönch
gab ihnen einen Segen mit auf den Weg. Einige Male hielten sie noch an, um vereinzelte Pilger
aufzusammeln. Als sie in Dafni ankamen, war das Schiff noch nicht eingetroffen
und sie mussten sich die Zeit vertreiben. |